Kurz vor ACHT : 300 neue Lehrer und 2 Sichtweisen

Susanne Vieth-Entus

Berlin stellt 300 zusätzliche Lehrer ein – diese freudige Nachricht kam am Montag nicht etwa aus dem Hause von Bildungssenator Jürgen Zöllner, sondern von Seiten der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die eigentlich nicht dafür bekannt ist, dass sie positive Meldungen über den Senat verbreitet.

Wollte sie aber auch gar nicht. Es ging der GEW nämlich nicht um Lob, sondern um Tadel: Sie wirft Zöllner vor, die Stellen nur befristet besetzen zu wollen. Das werde abschreckend wirken, denn eine befristete Einstellung sei ein „Schleudersitz“, und so was habe keiner nötig angesichts der bundesweiten Nachfrage nach Lehrern.

Die Bildungsverwaltung tut allerdings so, als wenn sie die Aufregung nicht verstehe. Schließlich gebe es in Berlin immer mal wieder befristete Beschäftigte. Die seien dazu da, Langzeitkranke zu vertreten, denn der Finanzsenator erlaube keine Festanstellungen für Vertretungsfälle.

In gewisser Weise leuchtet das ein: Jemanden fest einzustellen, der für einen Langzeitkranken einspringt, würde ja praktisch bedeuten, dass man den Glauben an die Genesung des kranken Kollegen verloren hat. Zudem geht die Bildungsverwaltung davon aus, dass die Fristverträgler nächstes Jahr feste Stellen bekommen, weil dann wieder regulär Kollegen in Pension gehen. Überhaupt versteht die Verwaltung nicht ganz, warum die GEW sich so aufrege, denn es sei doch positiv, dass die Einstellungen für die Langzeitkranken so früh erfolgen. Dieses Jahr hätten die Schulen die Möglichkeit, „verlässlich zu planen“.

So unterscheiden sich die Interpretationen. Wer Recht hat, wird man spätestens zum 1. September sehen, wenn die Schule anfängt. Susanne Vieth-Entus

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