Kurz vor ACHT : Papier ist geduldig

Gut liest sich Berlins Unterrichtsempfehlung für die elektronische Erziehung, besser bekannt unter der standesgemäßen Bezeichnung „eEducation Berlin Masterplan“. Vom Einmaleins des Scannens bis hin zu Vorsichtsmaßnahmen bei persönlichen Angaben im Internet kommt dort alles vor, was man sich nur wünschen kann – von Klasse 1 bis zum Abitur.

Nur schade, dass das Meiste freiwillig ist. Wer sich in Schulen umhört, was denn so läuft in Sachen „Computerkunde“ und „Internetnutzung“, erfährt schnell, dass das Ganze davon abhängt, ob es im Kollegium Lehrer gibt, die sich für die Materie interessieren. Ist dies nicht so, bleiben die Schüler darauf angewiesen, dass sich Freunde oder ältere Geschwister erbarmen und ihr eigenes Halbwissen weitergeben.

Dass diese Herangehensweise Probleme birgt, wird jetzt immer sichtbarer, denn wichtige Kompetenzen bleiben offenbar auf der Strecke, wenn die Internetkompetenz nur „nebenbei“ vermittelt wird. Vor allem sperrige Themen wie Urheberrecht und Datensicherheit werden ausgeblendet, wenn man sie nicht systematisch im Unterricht verankert. Weshalb die Bildungsverwaltung wohl nicht umhin kommt, hier noch die eine oder andere Vorschrift zu erlassen.

Was allerdings nicht bedeutet, dass Schulen keinen Handlungsspielraum mehr haben sollen: Es bleibt ihnen unbenommen, eigene Schwerpunkte zu setzen. Und es bleibt ihre Aufgabe, im Falle von Verstößen angemessene Konsequenzen zu ziehen. Auch hier zeigt sich sehr schnell, was einen guten Schulleiter ausmacht: Nicht dass er seinen Schülern so schnell wie möglich den Weg zum Abitur abschneidet, sondern dass er sie frühzeitig mit der Rechtslage vertraut macht. sve

0 Kommentare

Neuester Kommentar