Schule : Mein erster Euro Trinkgeld

Fossilien putzen, Galaxien sortieren, Reportagen schreiben: Im Praktikum wird gelernt, was sonst nicht auf dem Stundenplan steht

JULIANE BALDER (15)

Berliner Naturkundemuseum



Ich wollte mit der Vergangenheit zu tun haben, die fasziniert mich. Jetzt bin ich in der paläontologischen Abteilung, das heißt, ich beschäftige mich mit Fossilien. Es ist richtig spannend zu sehen, wie Tiere früher aussahen. In der Präparationswerkstatt befreie ich die Fossilien zusammen mit meinem Betreuer vom Kalk. Danach ist es fast so, als ob ich Lebewesen in der Hand halten würde: Ich kann sie anfassen und sehen, wie das Leben früher war. Manchmal suche ich auch wissenschaftliche Texte aus dem Internet heraus oder höre Vorträge von Studenten: Über den Beginn des Lebens etwa, die Zeitalter des Perm oder Karbon. Ich lerne hier richtig viel. Das Schönste war, dass ich hinter den Kulissen auch Objekte sehen kann, die nicht öffentlich zugänglich sind: Den echten Schädel des Brachiosaurus zum Beispiel – und nicht nur den Abdruck, der im Museum steht. Der Brachiosaurus ist das größte Fossil der Welt: Er ist 13,5 Meter lang. Es gibt hier noch einen anderen Praktikanten, mit dem ich mich gut verstehe. Das ist ganz angenehm: Wenn einer mal nicht weiter weiß, können wir uns gegenseitig helfen. Nächste Woche besucht mich unsere Lehrerin. Ich könnte sie anrufen, wenn ich Probleme hätte – aber ich habe keine. Es gibt eigentlich nichts, was mir hier nicht gefällt.

CAROLINE MIEHE (16)

Ein Berliner Hotel

Ich wollte ein Praktikum machen, das mir bei meiner Berufswahl helfen würde – ich wollte es als Chance nutzen und nicht nur die schulfreie Zeit genießen. Ein Praktikum im Hotel war mein Traum. Allerdings muss ich dafür nun auch um fünf Uhr früh aufstehen. Der Mitarbeitertrakt im Vier-Sterne-Hotel ist dreckig und riecht fürchterlich nach Schwefel, das liegt an den Chemikalien des Pools. Am ersten Tag habe ich niemanden gefunden, der wusste, wo ich hingehöre. Meine ursprüngliche Ansprechpartnerin lag im Krankenhaus, weil sie ein Kind bekam. Ich lief eine halbe Stunde völlig orientierungslos durchs Gebäude, bis ich meine Abteilung doch noch gefunden habe. Zunächst war ich im Service: Ich habe das Frühstücksbuffet eingedeckt und bedient. Die meisten Aufgaben fand ich primitiv, trotzdem habe ich Überstunden gemacht. Nach dem Service kam ich ins Housekeeping. Dort ist der Umgangston unfreundlich, ein Lächeln gibt es selten – wozu auch, Gäste haben in diesen Bereich keinen Einblick. Das Bettenmachen führt schnell zu Rückenschmerzen, außerdem habe ich Ausschlag an den Händen: Chemisch gewaschene Wäsche ist schlecht für die Haut. Aus Badezimmern muss ich auch Urinspuren und Erbrochenes beseitigen. Mein Magen dreht sich um. Ich fühle mich nicht wie eine Praktikantin, sondern wie eine kostenlose Arbeitskraft. Das Hotel ist nicht mehr mein Traumarbeitsplatz. Ich würde lieber Jura studieren.

VINCENT TRAUTWEIN (15)

Der Tagesspiegel

Mein Onkel ist Journalist, und er hat mir immer ziemlich begeistert von seiner Arbeit erzählt. Ich mag Deutsch in der Schule, und ich lese auch ganz gern mal Zeitung. Also habe ich mich hier beworben. Mir macht es Spaß – ich habe eigentlich nicht erwartet, dass ich so viel selbst machen kann. Ich konnte eine Agenturmeldung über somalische Piraten kürzen, die dann auch gedruckt wurde. Und am Flughafen in Schönefeld war ein Kinderfest, über das ich eine kleine Reportage geschrieben habe. Bisher ist mir eigentlich nichts aufgefallen, was mir nicht gefällt. Ich könnte mir schon vorstellen, später auch beruflich zu schreiben.

RIKA SIMON (15)

Astrophysikalisches Institut Potsdam

Ich interessiere mich schon lange für Physik und Astronomie. Ich finde es interessant, woraus Sterne bestehen und wie Galaxien aufgebaut sind. Wenn man sich damit beschäftigt, merkt man, wie klein Menschen sind. Das kann zwar ganz schön ernüchternd sein, aber auch sehr faszinierend. Am Institut arbeite ich in der Abteilung Galaxien. Ich fühle mich sehr gut betreut, es sind immer Mitarbeiter da, die ich alles fragen kann. Ich kann bei einem Projekt mitmachen, in dem Galaxien analysiert werden. Es gibt Teleskopaufnahmen von ihnen, und ich sehe die Fotos auf dem PC. Dadurch kann ich selbstständig Spiralgalaxien, elliptische und unregelmäßige Galaxien und die ganzen Unterarten klassifizieren. Manchmal höre ich auch Vorlesungen, zum Beispiel über Schwarze Löcher und Quasare. Das sind unglaublich helle Kerne einer Galaxie. Ich hätte nicht erwartet, dass die Atmosphäre am Institut so locker und entspannt ist, es macht richtig Spaß, dort zu sein.

ALEXANDER KLOTH (15)

Gitarrenfachgeschäft „Just Acoustic Guitars“

Mein Praktikum ist etwas ganz Neues für mich und schon deshalb interessant. Es war eher Zufall, dass ich hier gelandet bin: Ich spiele selbst seit sechs Jahren Gitarre und wollte Zubehör kaufen. Die Leute sind alle sehr offen und freundlich, da habe ich einfach mal nach einem Platz gefragt. Es ist etwas völlig anderes, von der Schule heraus plötzlich in die Arbeitswelt einzutauchen – und es ist ein ziemlicher Kontrast zur Schule. Ich bekomme Einblicke in einen Bereich, den ich bisher einfach nicht kannte. Meistens bin ich im Verkauf und habe mit Kunden zu tun, manchmal bin ich auch im Lager, hole Gitarren oder beschrifte sie. Am meisten Spaß macht es, wenn ich Kunden fachlich beraten kann – und wenn ich in der Pause selbst Instrumente ausprobieren kann. Das Einzige, was ein bisschen langweilig ist: Wenn kein Kunde da ist, hat man manchmal nichts zu tun.

CHARLOTTE JANSEN (14)

Hotel Intercontinental

Mit meiner Familie reise ich viel, deshalb kannte ich Hotels als Gast. Im Praktikum wollte ich gerne mal die andere Seite kennen lernen. Vor dem Bewerbungsgespräch war ich ziemlich aufgeregt, aber es war in Ordnung – die Leute waren nett. Das sind sie jetzt zum Glück auch noch! Es ist schon ungewohnt, so früh aufzustehen und sechs Stunden zu arbeiten, aber es macht Spaß. Ich bin in den Bereichen Service und Housekeeping tätig und habe immer einen Ansprechpartner. Auch die Gäste sind nett, neulich habe ich das erste Mal in meinem Leben einen Euro Trinkgeld bekommen. Mit vielen Gästen spreche ich Englisch, auch da kann ich einiges lernen. Ich könnte mir vorstellen, später mal als Kellnerin zu jobben. Es ist wirklich interessant, wie es in einem Hotel hinter den Kulissen zugeht. Da kann es ganz schön hektisch werden – aber sobald man im Gästebereich ist, wirkt alles ganz ruhig und entspannt.

Aufgezeichnet von Patricia Hecht

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