Nach Ethnien sortiert : Der Klassenkampf wird härter

Berliner Gymnasien sortieren ihre Schüler nach ethnischer Herkunft. Die Schulverwaltung ist besorgt.

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Immer mehr Gymnasien bilden ihre Klassen offenbar nach ethnischer Herkunft der Schüler, kritisiert Öczan Mutlu. „Es handelt sich dabei längst nicht mehr nur um Ausnahmefälle“, sagte der bildungspolitische Sprecher der Grünen am Dienstag dem Tagesspiegel: „Ich weiß es konkret von vier Gymnasien in verschiedenen Stadtbezirken, weil die Eltern mich angesprochen haben.“

Begründet würde die Klasseneinteilung in vorwiegend Deutsche oder Migranten oft mit organisatorischen Argumenten wie der Erstellung der Stundenpläne, was Mutlu aber für vorgeschoben hält. So habe eine Mutter gefragt, warum ihre muslimische Tochter nicht in die „deutsche Klasse“ gehen dürfe. Wegen des Religionsunterrichts, habe ihr die Schulleitung geantwortet. „Na gut, dann besucht meine Tochter eben den evangelischen Religionsunterricht“, habe die Mutter gesagt und dann zur Antwort erhalten, dass leider kein Platz in der Klasse mehr frei sei.

Mutlu hat sich unlängst in einer parlamentarischen Anfrage an den Senat gewandt, um herauszufinden, wie sich sogenannte ndH-Schüler (nichtdeutscher Herkunft) an den Berliner Gymnasien verteilen. Konkret benannte er das Askanische Gymnasium im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, wo nach Informationen von Eltern gezielt Klassen mit extrem hohen und extrem niedrigen „ndH-Anteil“ geschaffen wurden. Die Senatsbildungsverwaltung verwies in ihrer Antwort auf die Anfrage darauf, dass die Zusammensetzung der Klassen in der Verantwortung der Schulen liege. Am Askanischen Gymnasium seien die vier siebten Klassen des Schuljahrs 2009/2010 mit einem Anteil von „ndH-Schülern“ zwischen 28 und 55 Prozent eingerichtet worden.

„Wir werden die regionale Schulaufsicht erneut beauftragen, nachzuforschen, was zu dieser Situation am Askanischen Gymnasium geführt hat“, sagt der Sprecher der Bildungsverwaltung, Jens Stiller. Die Schule begründete die Aufteilung mit Organisationskriterien wie Fremdsprachenfolgen, Anteil von Mädchen und Jungen sowie Religions- und nicht zuletzt Sprachförderunterricht.

Schulleiter erleben aber immer öfter, dass Eltern fragen, wie hoch der Migrantenanteil in den Gymnasien ist. Wenn man ihnen nicht mindestens 50 Prozent Anteil deutscher Schüler garantiere, würden sie drohen, ihre Kinder an anderen Gymnasien anzumelden. „Das sind übrigens nicht nur Deutsche, sondern auch viele Migranteneltern“, erzählt ein Lehrer.

Der Vorsitzender der Vereinigung der Oberstudiendirektoren, Ralf Treptow, kritisiert die Klassen-Trennung: „Das ist das Gegenteil von Integration.“ Öczan Mutlu sieht das ebenso: „Da hat es ein Kind mit Migrationshintergrund trotz schwieriger Ausgangssituation auf das Gymnasium geschafft und dann wird ihm klargemacht, dass es eben doch nicht richtig dazugehört“. Und Schulverwaltungssprecher Jens Stiller meint: „Dieses Thema wird Berlins Schulen in Zukunft immer stärker beschäftigen.“ Sandra Dassler

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