Oxford : Klasse, aber klassenlos

Oxford – allein das Wort lässt sofort an weltweit führende Wissenschaft denken, aber auch an jahrhundertealte Bildungsprivilegien der britischen Upper Class. Die Universität will keine Hochschule der Reichen sein.

Markus Hesselmann[London]

Die Universität Oxford will nicht nur für die britische Upper Class da sein. Dazu hat sie eine Kampagne aufgelegt, die in den kommenden Jahren Spenden in Milliardenhöhe einwerben soll. In Form von Stipendien soll das Geld nicht zuletzt Bewerbern aus weniger begüterten Familien, die keine der teuren britischen Privatschulen besucht haben, zugute kommen. Oxford will vor allem reiche Absolventen um generöse Beiträge bitten – nach dem Vorbild amerikanischer Universitäten wie Harvard und Yale, zu denen die neben Cambridge führende britische Universität auch in Forschung und Lehre nicht den Anschluss verlieren will.

„In Großbritannien ist die philantrophische Kultur bei der Bildung nicht so ausgeprägt“, sagte Oxfords Kanzler Chris Patten gestern bei der Vorstellung der Kampagne in der British Academy in London. Aber es wende sich etwas zum Guten. „Wenn ich vor zehn Jahren bei Absolventen-Treffen war, galt es als obszön, über Geld zu sprechen.“ Das sei nun anders, sagt der konservative Politiker, einst Minister unter Regierungschefin Margaret Thatcher, Hongkongs letzter britischer Gouverneur sowie EU-Kommissar. Die Kampagne soll so lange laufen, bis umgerechnet 1,8 Milliarden Euro erreicht sind. Das wäre dann die größte Summe, die eine europäische Universität je im Rahmen eines Programms eingeworben habe, hieß es. Immerhin 800 Millionen Euro seien in einer Vorlaufphase durch Spenden bereits zusammengekommen. Das Geld wird allerdings nicht nur für Stipendien, sondern auch für umfangreiche Ausbauprojekte verwendet.

Der Erzrivale Cambridge unternimmt ähnliche Anstrengungen, doch gestern gehörte Oxford die Aufmerksamkeit. Allerdings wurde in den britischen Medien auch wieder eine Affäre aus dem Jahr 2000 erwähnt, in die sich der damalige Finanzminister und jetzige Premier Gordon Brown mit harscher Kritik eingeschaltet hatte. Es ging um die Bewerberin Laura Spence, die mit Einserabitur von einer staatlichen Schule gekommen war und in Oxford abgelehnt wurde. Harvard nahm die junge Britin dann auf. Der Fall eröffnete eine Debatte über die Zugänglichkeit Oxfords. Der Anteil der Studenten, die von staatlichen Schulen kommen, liegt dort derzeit bei 57 Prozent. Vor dem Hintergrund, dass nur sieben Prozent der britischen Kinder auf die teuren Privatschulen gehen, ist deren Anteil in Oxford immer noch sehr hoch.

Prominentes Gesicht der Kampagne ist der Komiker und Oxford-Absolvent Michael Palin. „Mir hat es sehr viel bedeutet, in Oxford studieren zu dürfen“, sagte Palin, Sohn eines Ingenieurs aus der Stahlstadt Sheffield. Mit der Comedy-Truppe Monty Python hat er sich immer gern über britisches Klassenbewusstsein lustig gemacht.

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