Präventionsprogramm : Schüler stark machen gegen Mobbing im Netz

Psychologen der Freien Universität Berlin haben ein Präventionsprogramm gegen Cybermobbing entwickelt, das ab Mai 2012 im Unterricht eingesetzt werden kann. Mit 900 Berliner Schülern wurde es bereits getestet.

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Beleidigungen und Häme können auch über Handys verbreitet werden.
Beleidigungen und Häme können auch über Handys verbreitet werden.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Das Projekt mit dem Namen „Medienhelden“ richtet sich an Schüler der siebten bis zehnten Klasse und soll ihnen helfen, sich vor Belästigungen und Beleidigungen im Internet zu schützen. Zwei Jahre lang arbeitete ein Team um den Entwicklungspsychologen Herbert Scheithauer daran. Es entwickelte Materialien und ein Unterrichtsprogramm, das im letzten Jahr mit rund 900 Berliner Schülern getestet wurde. In Rollenspielen und Gesprächsrunden sprachen sie über Cybermobbing, Datenschutz und darüber, was eigentlich beim Hochladen von Fotos und Videos erlaubt ist. Am Dienstag präsentierte Projektleiter Scheithauer erste Ergebnisse. Cybermobbing habe in den teilnehmenden Klassen abgenommen, die Schüler hätten sich besser in andere hineinversetzen können, das Selbstwertgefühl sei gestiegen.

Pavel Tretjakov, Schüler am Walther-Rathenau-Gymnasium in Grunewald, sagt, er sei durch das Projekt vorsichtiger geworden und schütze seine Daten auf Facebook besser. An seiner Schule habe es vor rund einem Jahr durch die Lästerplattform Isharegossip Probleme gegeben. „Doch das hat uns auch zusammengeschweißt, weil sich viele gemeinsam gewehrt haben“, erzählt Mitschülerin Sarina Schlien.

„Viele Schüler haben zwar eine hohe technische Kompetenz im Internet, aber ihnen fehlen noch soziale Fähigkeiten und Lebenserfahrung“, sagte Catarina Katzer vom Bündnis gegen Cybermobbing, das das Projekt unterstützt. Fast jeder fünfte Schüler in Deutschland ist Untersuchungen zufolge schon einmal an Cybermobbing beteiligt gewesen, als Opfer, Täter oder Unterstützer. Das Thema müsse ein regulärer Unterrichtsbestandteil werden, fordert Scheithauer – am besten als eigenes Fach „Medienerziehung“.

Weitere Informationen gibt es unter www.medienhelden-projekt.de. Das FU-Forschungsteam bietet Fortbildungen für Lehrer an. Ab Mai 2012 stehen die Unterrichtsmaterialien als Buch und elektronisch zur Verfügung.

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