Reise nach Norwegen : Überlebenstraining Klassenfahrt

Spandauer Schüler reisen als Selbstversorger nach Norwegen – und testen im Gebirge ihre Grenzen.

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Die Gruppe der Schule an der Jungfernheide im norwegischen Gebirge.
Die Gruppe der Schule an der Jungfernheide im norwegischen Gebirge.Foto: Yağmur Gündoğdu

Kochen mit Feuer, lange, helle Nächte, an Wasserfällen vorbeiklettern und am Ende so manchen Weges: Schnee. 13 Zehntklässler der Schule an der Jungfernheide in Spandau sind gerade von einer besonderen Schülerfahrt in die Berliner Hitze zurückgekehrt. „NorAway – Bis an deine Grenzen“ hieß das zehntägige Programm, bei dem die Schüler und drei Lehrkräfte ein Basislager im norwegischen Grindaheim aufschlugen und von dort aus Wanderungen machten.

Das Konzept ist angelehnt an „Walkaways“ des Pädagogen Peter Maier und zielt darauf ab, in einer Phase des Umbruchs, vor Beginn einer weiterführenden Schule oder dem Start der Berufsausbildung, die Persönlichkeit und Selbstsicherheit von Jugendlichen zu stärken. An der Schule an der Jungfernheide wurde die Reise als Pilotprojekt vom evangelischen Religionslehrer Yagmur Gündogdu und Pauline Habermann von der Initiative Teach First durchgeführt.

Ein Jahr lang hatte sich die Gruppe vorbereitet: Ein Survival-Training absolviert. Entschieden, welche Lebensmittel haltbar, leicht und reichhaltig sind. Zum Beispiel Haferflocken für Frühstücksbrei, auch wenn der auf die Dauer nicht wirklich beliebt war. Sie kochten und verkauften Marmelade, um Geld zu sammeln. Dank Spenden kostete die Reise pro Schüler schließlich 80 bis 120 Euro, inklusive Wanderschuhen. Das knappe Budget vieler Familien wurde bei der Planung berücksichtigt.

An ihre Grenzen sind während der Reise fast alle Schüler und auch die Lehrer gestoßen: Nachts schliefen manche mit Wollmütze und Thermosflasche im Schlafsack, weil es so kalt war. Manchmal waren die Strecken sehr steil oder sumpfig, sodass die Füße im Schlamm steckten. Belohnt wurden sie mit der Aussicht vom Gebirgsrücken Besseggen, dessen höchster Punkt auf 1743 Metern liegt. Sie staunten über die Natur: „Sommerwiese auf der einen, Schnee auf der anderen Seite“, erzählt ein Schüler. Aber es gab auch Ruhetage, an denen sie einfach nur ihre Matten am See ausrollten.

Und wie hat’s ihnen gefallen? Schülerin Syuzan fand schön, wie sich die Schüler gegenseitig geholfen haben, etwa wenn es darum ging, einen Fluss zu überqueren. Sie lernten sich von ganz anderen Seiten kennen: Der eine spielt Theater, der andere ist super sportlich, eine hat immer ihre Nagelfeile dabei, erzählt Nasser.

Wenn man in der Schule einen Hefter vergisst, hat das wenig Konsequenzen, resümiert Lehrer Gündogdu. Macht aber niemand Feuer, fehlen Essen und Wärme. Ganz grundlegende Dinge funktionieren dann nicht. Das Zusammenarbeiten sei im Camp eine Notwendigkeit geworden, ergänzt Lehrerin Angelika Thäle. Ein paar Schüler hätten nach zwei Tagen auch festgestellt, dass Wandern nicht ihr Ding ist. Und trotzdem hätten alle weitergemacht. Manche Dinge verloren auch an Bedeutung. Ihre Handys hatten die Schüler zwar dabei, aber außer für Fotos wenig in der Hand. „Man merkt, dass man alles, was man gerade braucht, da hat“, sagt Kinga. „Man ist nicht so abhängig.“

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