Schule : Runde Augen und zwei Motoren

Auch die sechste Generation des Carrera bleibt der bewährten Linie treu

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Von Ingo von Dahlern Der Neue ist der Alte geblieben – und trotzdem rundum neu. In nun bereits sechster Generation tritt der Elfer in knapp einem Monat am 17. Juli an. Er ist nicht nur Porsches erfolgreichstes Modell, sondern der Porsche schlechthin. Denn zusammen mit seinem Vorgänger 356 begründete er die Sportwagentradition der Stuttgarter und ist seit vier Jahrzehnten Rückgrat ihres Modellprogramms. So lange schon tritt er mit jener unverwechselbaren eleganten und unaufdringlichen Linie an, die das Bild vom echten Porsche prägt. Dieser Linie bleibt auch die neueste Generation treu, die trotzdem einen ganz eigenen neuen Charakter hat. PorscheKennern fällt hier auf den ersten Blick die Rückkehr zu den klassischen Rundscheinwerfern auf. Beim zweiten Blick erkennen sie, dass sich der neue Elfer mit noch breiterer Spur und stark tailliert mit besonders kraftvollem Heck präsentiert. Wenn sie beim dritten Blick in den Innenraum sehen, dann fallen ihnen hier ganz grundlegende Veränderungen auf.

Denn Porsche hat das Interieur des 911 völlig neu gestaltet. Da gibt es ein komplett neues Kombi-Instrument mit fünf größer gewordenen Rundinstrumenten, neue Dreispeichen-Lenkräder, die nun in zwei Ebenen verstellbar sind und bei denen erstmals ein Multifunktionslenkrad angeboten wird, hochwertig verarbeitetes Leder bei der die Horizontale betonenden gesamten Instrumententafel und neue Sitze mit abgesenkter Sitzposition und erheblich verbesserter Seitenführung. Insgesamt wirkt alles noch eleganter und vor allem auch hochwertiger.

Und zum ersten Mal seit 1977 gibt es für den Carrera gleich vom Start an zwei Motorvarianten. Denn neben den bewährten 3,6 Liter Motor, der sich nun sorgfältig optimiert mit einer Leistung von 239 kW (325 PS) und einem höchsten Drehmoment von 370 Nm bei 4250/min präsentiert, gibt es im Carrera S einen neuen 3,8 Liter. Der leistet 261 kW (335 PS) und stemmt bei 4600/min 400 Nm auf die Kurbelwelle. Beide Motoren setzen auf die als VarioCam Plus bewährte Ventilhubverstellung auf der Einlassseite und beide erfüllen die Abgasnorm EU4. Dennoch gibt es einen hörbaren Unterschied. Denn der größere der beiden Boxer hat einen unverkennbar kraftvolleren Sound. Und optisch unterscheiden sie sich durch die zwei Varianten durch Einzelendrohre beim Carrera und Doppelendrohre beim Carrera S.

Natürlich gibt es auch Unterschiede bei den Fahrleistungen. Während der Carrera binnen 5.0 Sekunden Tempo 100 und maximal 285 km/h erreicht, braucht der 293 km/h schnelle Carrera S für den Spurt auf Tempo 100 nur noch 4,8 Sekunden. Dafür liegt der Durchschnittsverbrauch mit 11,5 l/100 km auch ein wenig über den 11,0 l/100 km des Carrera. Der wohl wichtigere Unterschied ist allerdings, dass der Carrera S als erster Sportwagen mit einem aktiven und zehn Millimeter tiefer gelegten Fahrwerk ausgestattet wird. Denn das Porsche Active Suspension Management (PASM) ist hier Serienausstattung. So kann man mit einem Knopfdruck zwischen sportlich komfortabler Feder- Dämpfer-Abstimmung und einer spürbar strafferen Abstimmung für den Rennsport oder eine ausgeprägt sportliche Gangart auch auf normalen Straßen wählen. Wer das Potenzial seines neuen Carrera noch weiter ausschöpfen möchte, kann in Verbindung mit einer integrierten Hinterachsquersperre ein um 20 Millimeter tiefer gelegtes Sportfahrwerk ordern. Übrigens steht der Carrera nun auf 18-Zoll Rädern, während der Carrera S erstmals auf 19-Zoll Rädern steht

Bei ersten Probekilometern mit dem neuen Carrera S begeisterte nicht nur dessen souveräne Kraftentfaltung. Denn wie auch frühere Porsche-Modelle zeigte auch er, dass er trotz aller Sportlichkeit ein uneingeschränkt alltagstaugliches Auto ist – eine der großen Stärken von Porsche. Überzeugen konnte das bei beiden Motoren eingesetzte neue Sechsgang-Getriebe mit noch kürzeren Schaltwegen. Als Alternative zu dem bietet Porsche die optimierte Tiptronic S an.

Ein Pluspunkt ist die nun mit variabler Lenkübersetzung ausgestattete direkter reagierende Zahnstangenlenkung, die vor allem auch das Einparken in der Stadt erleichtert. Und als unverzichtbares Pendant zu den leistungsstarken Motoren haben Carrera und Carrera S nicht minder leistungsfähige Bremsen. Dabei kann als Wunschausstattung auch die weiterentwickelte Keramikbremse „Porsche Ceramic Composite Brake“ (PCCB) geordert werden.

Auf der Seite der passiven Sicherheit gibt es neben einer weiter optimierten Karosseriestruktur neue Airbag-Lösungen. Denn zu den insgesamt sechs Airbags gehören neben neuen zweistufigen Frontairbags und Thoraxairbags an den Außenseiten der vorderen Sitzlehnen neuartige Kopfairbags in der Fensterbrüstung am unteren Rand der Seitenscheibe.

Mit 160 000 verkauften Exemplaren war der bisherige 911 der erfolgreichste Elfer im Porsche Programm überhaupt. Nach der ersten Bekanntschaft mit dem Nachfolger haben wir den Eindruck, dass es ihm nicht schwer fallen dürfte, der damit verbundenen gewaltigen Herausforderung gerecht zu werden. Wozu sicher auch die Tatsache beiträgt, dass die in so vielen Punkten ganz neue Generation nur unmerklich teurer geworden ist. Denn der Grundpreis für die Basisversion liegt gerade einmal 600 Euro über dem des Vorgängers. Das aber bedeutet, dass der neue 911 angesichts der nun als Serienausstattung verfügbaren Verbesserungen ein noch besseres Preis-LeistungsVerhältnis bietet als bisherige Modelle und man deutlich mehr Porsche für sein Geld bekommt. Und im Endeffekt preiswerter wird der neue Carrera auch durch die von 20 000 auf nunmehr 30 000 Kilometer vergrößerten Wartungsintervalle.

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