Schulbesuch : Integration mit Witz

Der deutsch-türkische Komiker Bülent Ceylan war in der Friedensburg-Schule in Charlottenburg zu Gast.

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Comedians unter sich. Profi Ceylan (r.) übt mit dem Nachwuchs.
Comedians unter sich. Profi Ceylan (r.) übt mit dem Nachwuchs.Foto: Thilo Rückeis

Ali beherrscht den wiegenden Getto-Gang perfekt. Aus seinem Handy dudelt Hip-Hop, als er sich der Lehrerin, Frau Bauer, gegenübersetzt. Alis Eltern sollen zum Elternsprechtag kommen. „Sie wissen doch, die können kein deutsch“, sagt Ali und lugt möglichst cool unter seiner Kapuze hervor. „Gibt es die denn überhaupt? Du gehst schon so lange in meine Klasse, und ich habe sie noch nie gesehen“, sagt Frau Bauer. Jetzt wird Ali richtig sauer: „Ey, red’n sie nisch so üba meine Eltern.“ Dann bekommen Ali und Frau Bauer Szenenapplaus – von ihren Mitschülern und von Bülent Ceylan.

Es ist Montagvormittag und der deutsch-türkische Komiker Bülent Ceylan aus Mannheim ist zu Besuch in der Bibliothek der Charlottenburger Friedensburg-Oberschule. Statt selbst aufzutreten, lässt er sich von den Zehntklässlern einen Sketch zum Thema Integration vorspielen. Die Visite hat die Gesamtschulklasse beim Integrationswettbewerb „Alle Kids sind VIPs“ der Bertelsmannstiftung gewonnen.

Ali heißt eigentlich Nepomuk und gehört zu einer Minderheit an der Friedensburg-Schule: zu den 40 Prozent der Schüler, die keine Eltern oder Großeltern haben, die aus anderen Ländern eingewandert sind. Die Verwandten der anderen 60 Prozent stammen aus 70 verschiedenen Nationen – von Canada bis China.

Nicht immer sieht man das. Nepumuk mit seinen dunklen Augen und Locken wirkt etwa viel südländischer als seine Mitschülerin Liridona. Ihre Eltern kommen aus dem Kosovo. Im Sketch hat sie Frau Bauer gespielt – mit Brille und viel Strenge in der Stimme.

„Da waren gute Gags dabei“, sagt Ceylan, nachdem der Sketch noch bei Ali zu Hause weiterging. Der Comedian hat das Skript schon vorher gelesen und eine Schlusspointe hinzugefügt: Beim Elternsprechtag stellt sich heraus, dass Alis Vater doch gar nicht so wenig deutsch kann. Nicht mal seiner Frau hatte er das verraten – weil es so bequemer war. „Mein eigener Vater überhört auf deutsch auch einiges, das er nicht hören will.“

Ceylan verrät den Schülern auf ihre Fragen viel Persönliches: „Meine Mutter ist Katholikin, mein Vater Moslem und ich habe mich immer noch nicht entschieden.“ Er traue sich nicht, über Mohammed Witze zu machen – über Jesus schon. Kein Wunder, dass die Schüler viel aus ihm herauskitzeln. Beim Projekt, für das sie den Preis gewannen, haben sie das Fragenstellen geübt und Zeitzeugen mit Migrationshintergrund interviewt – etwa einen libanesischen Kriegsflüchtling, einen politisch verfolgten Iraner und eine türkische Gastabeiterin.

Selbstverständlich stellt keiner die Frage, die sich Ceylan gleich anfangs verbeten hatte: Welches Shampoo er für seine sehr langen Haare verwende. Daniela Martens