• Zitty
  • Potsdamer Neueste Nachrichten
  • Berlin 030
  • Bootshandel
  • Qiez
  • zweitehand
  • twotickets
  • Berliner Köpfe
  • wetterdienst berlin

Schulbesuch : Integration mit Witz

24.05.2011 11:48 Uhrvon
Comedians unter sich. Profi Ceylan (r.) übt mit dem Nachwuchs. Foto: Thilo RückeisBild vergrößern
Comedians unter sich. Profi Ceylan (r.) übt mit dem Nachwuchs. - Foto: Thilo Rückeis

Der deutsch-türkische Komiker Bülent Ceylan war in der Friedensburg-Schule in Charlottenburg zu Gast.

Ali beherrscht den wiegenden Getto-Gang perfekt. Aus seinem Handy dudelt Hip-Hop, als er sich der Lehrerin, Frau Bauer, gegenübersetzt. Alis Eltern sollen zum Elternsprechtag kommen. „Sie wissen doch, die können kein deutsch“, sagt Ali und lugt möglichst cool unter seiner Kapuze hervor. „Gibt es die denn überhaupt? Du gehst schon so lange in meine Klasse, und ich habe sie noch nie gesehen“, sagt Frau Bauer. Jetzt wird Ali richtig sauer: „Ey, red’n sie nisch so üba meine Eltern.“ Dann bekommen Ali und Frau Bauer Szenenapplaus – von ihren Mitschülern und von Bülent Ceylan.

Es ist Montagvormittag und der deutsch-türkische Komiker Bülent Ceylan aus Mannheim ist zu Besuch in der Bibliothek der Charlottenburger Friedensburg-Oberschule.

Statt selbst aufzutreten, lässt er sich von den Zehntklässlern einen Sketch zum Thema Integration vorspielen. Die Visite hat die Gesamtschulklasse beim Integrationswettbewerb „Alle Kids sind VIPs“ der Bertelsmannstiftung gewonnen.

Ali heißt eigentlich Nepomuk und gehört zu einer Minderheit an der Friedensburg-Schule: zu den 40 Prozent der Schüler, die keine Eltern oder Großeltern haben, die aus anderen Ländern eingewandert sind. Die Verwandten der anderen 60 Prozent stammen aus 70 verschiedenen Nationen – von Canada bis China.

Nicht immer sieht man das. Nepumuk mit seinen dunklen Augen und Locken wirkt etwa viel südländischer als seine Mitschülerin Liridona. Ihre Eltern kommen aus dem Kosovo. Im Sketch hat sie Frau Bauer gespielt – mit Brille und viel Strenge in der Stimme.

„Da waren gute Gags dabei“, sagt Ceylan, nachdem der Sketch noch bei Ali zu Hause weiterging. Der Comedian hat das Skript schon vorher gelesen und eine Schlusspointe hinzugefügt: Beim Elternsprechtag stellt sich heraus, dass Alis Vater doch gar nicht so wenig deutsch kann. Nicht mal seiner Frau hatte er das verraten – weil es so bequemer war. „Mein eigener Vater überhört auf deutsch auch einiges, das er nicht hören will.“

Ceylan verrät den Schülern auf ihre Fragen viel Persönliches: „Meine Mutter ist Katholikin, mein Vater Moslem und ich habe mich immer noch nicht entschieden.“ Er traue sich nicht, über Mohammed Witze zu machen – über Jesus schon. Kein Wunder, dass die Schüler viel aus ihm herauskitzeln. Beim Projekt, für das sie den Preis gewannen, haben sie das Fragenstellen geübt und Zeitzeugen mit Migrationshintergrund interviewt – etwa einen libanesischen Kriegsflüchtling, einen politisch verfolgten Iraner und eine türkische Gastabeiterin.

Selbstverständlich stellt keiner die Frage, die sich Ceylan gleich anfangs verbeten hatte: Welches Shampoo er für seine sehr langen Haare verwende. Daniela Martens

Saubere Sache


Sie säubern Parks, sie pflanzen Bäume, sie helfen bedürftigen Menschen, sie pflegen ihren Kiez – viele Berliner sind unbekannte Helden. Ohne sie wäre Berlin weniger lebenswert und liebenswert - die schönsten Impressionen vom Aktionstag „Saubere Sache – ein Tag für meine Stadt“:
Zur Berichterstattung

Umfrage

Die Piraten wollen flexible freie Tage für Schüler einführen. An 15 Tagen sollen die Schüler ohne Begründung zu Hause bleiben dürfen. Was halten Sie davon?

Weitere Themen

Leserdebatten

Alexanderplatz, Hertha, Mediaspree: Leserdebatten auf Tagesspiegel.de.

Diskutieren Sie mit!

Tagesspiegel twittert

Empfehlungen bei Facebook

Der Tagesspiegel im Sozialen Netz

Tagesspiegel-Spendenaktion

Veranstaltungen im Tagesspiegel

In unserem Verlagsgebäude finden regelmäßig Salons, Vorträge und Debatten statt, zu denen wir Sie herzlich einladen.