Schulprojekt in Neukölln : Kinder wollen ihren Kiez verbessern

Beim "RespAct"-Gipfel trafen sich Schüler aus Neuköllner Grundschulen und schmiedeten Pläne für einen schöneren Kiez. Auf ihrer Wunschliste: Weniger Müll und freundlichere Nachbarn.

Juliane Fiegler
Ideengeber. Mohammed (l.) und Emre beim RespAct-Gipfel.
Ideengeber. Mohammed (l.) und Emre beim RespAct-Gipfel.Foto: Juliane Fiegler

Drogendealer in der Hasenheide, Müll auf den Spielplätzen und unfreundliche Nachbarn – den Kindern und Jugendlichen in Neukölln passt so einiges nicht in ihrem Kiez. Aber anstatt sich selbst nur zu beschweren, kommen die Schülerinnen und Schüler der Richard-, Janusz-Korczak-, Carl-Legien- und Karl- Weise-Schule mit Verantwortlichen aus Politik und Gesellschaft ins Gespräch.

Das Bildungsprojekt „RespAct“ macht es möglich: Sechs Klassen der vier Schulen haben in den vergangenen Monaten an Projekttagen Ideen gesammelt, wie sie ihre Umgebung so verändern können, dass sie sich wohlfühlen. Auf einem Gipfeltreffen in der Janusz-Korczak-Schule präsentieren die Schüler ihre Ideen und schmieden Pläne für die Umsetzung.

Manchmal ist es ganz einfach: Ein kurzer Anruf beim Ordnungsamt und eine Bastelstunde reichen aus, dann können Schüler der Richard-Schule am Richard-Spielplatz bunte Plakate aufhängen – mit der Bitte, Müll in die Mülleimer zu werfen und den Hundekot nicht im Sandkasten zu lassen.

Manchmal geht es um langfristige Probleme: „Wenn wir ohne Erwachsene durch die Hasenheide gehen, sprechen uns Drogendealer an. Dann fühlen wir uns unsicher und wollen nicht mehr so gerne da rein“, erzählen ein paar Schülerinnen aus der Karl-Weise-Schule. Sie sitzen an einem Tisch mit Vertretern von Senatsverwaltung, BSR und Familienzentren. Es geht um „Müll und Sauberkeit“, und von den Müllbergen auf dem Tempelhofer Feld kommt die Diskussion auf das Thema Hasenheide. Beide Orte liegen nur ein paar Gehminuten von der Karl-Weise-Schule entfernt.

An zwei anderen Tischen wird über gute Nachbarschaft gesprochen. Ein paar Kinder wollen ein Hoffest in ihrem Kiez in Gropiusstadt organisieren. Gemeinsam mit dem Quartiersmanagement überlegen sie, wie sie das planen: Ein Brief an die Hausverwaltung soll geschrieben werden, Street-Dance-Tänzer aus ihrer Klasse könnten auftreten, und in einem der unteren Stockwerke wohnt ein Student, der DJ werden will – der könnte vielleicht die Musik machen.

Emre und Mohammed vom nächsten Tisch erzählen: „Wir fangen eine Spendenaktion an, damit Obdachlose Essen, Trinken und eine Unterkunft haben können.“ Die jüngeren Kinder ihrer Schule hätten oft Angst vor Obdachlosen, die auf Bänken schlafen, erklären die Sechstklässler der Karl-Weise-Schule.

Am letzten Tisch wird über Freizeitangebote für Familien mit wenig Geld geredet. Es gebe eigentlich viele Angebote, finden die Kinder, aber viele Familien wüssten zu wenig darüber. Deshalb wollen die Schüler Plakate gestalten und damit über den Ferienpass informieren.

Manfred Zöllner, Leiter der Janusz-Korczak-Grundschule und Gastgeber des Gipfels, ist von dem Projekt begeistert. „Die Kinder werden als eigenständige Person akzeptiert und ernst genommen. Das färbt auf den Schulalltag ab und trägt zu einer entspannteren Atmosphäre auf dem Schulhof bei.“ Und die Initiatorin des Projekts, Heather Cameron, Juniorprofessorin für Integrationspädagogik an der Freien Universität, sagt: „Auch den Lehrern und Schulsozialarbeitern bringt das Projekt viel. Sie erleben die Schüler anders als sonst und kriegen neue Perspektiven.“ Juliane Fiegler

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