Sekundarschulen in Berlin : Schulunterricht in den Winterferien - und das freiwillig

Mathe und Englisch anstatt Skiurlaub: Die Zehntklässler der Herbert-Hoover-Schule in Wedding organisieren eine Ferienschule für benachbarte Grundschulen - und alle profitieren.

Anna Ullrich
Noch Fragen? An der Herbert-Hoover-Sekundarschule gab es in den Winterferien Kennenlernunterricht für Grundschüler.
Noch Fragen? An der Herbert-Hoover-Sekundarschule gab es in den Winterferien Kennenlernunterricht für Grundschüler.Foto: Alice Epp

„Den Englischkurs finde ich klasse“, erzählt Aaron Scott begeistert. Der Zehnjährige ist einer von etwa 40 Schülern, die am Ferienunterricht der Herbert-Hoover-Schule teilnehmen. Das eigentliche Ziel besteht jedoch in der Orientierungshilfe für die Sechstklässler bei der anstehenden Wahl der Oberschule. Am 11. Februar beginnen die Anmeldungen.

Auch Sozialarbeiter sind dabei

Doch das Projekt bietet noch mehr. Denn der Unterricht wird von Zehntklässlern der Sekundarschule gestaltet und von den Sozialarbeitern Andrea Bussmann und Cayan Rosentritt begleitet. Bussmann betont dabei den hohen Lernwert für die 15- und 16- Jährigen. „Neben der Orientierungshilfe für die Grundschüler steht für uns der Lerneffekt für unsere Schüler im Vordergrund“, erklärt sie. So gewöhnen sich die Jugendlichen daran, ihre Übungen zu strukturieren und vor einer größeren Gruppe zu präsentieren. Das schult das Selbstbewusstsein und sorgt gleichzeitig für einen größeren Zusammenhalt unter den Zehntklässlern.

„Es ist ein tolles Gefühl, wenn man am Ende des Tages erkennt, dass die Jüngeren Spaß hatten und etwas gelernt haben. Und für uns ist es eine hilfreiche Wiederholung des Gelernten“, beschreibt Schülersprecher Ensar Akasah den Doppeleffekt. Er beteiligt sich bereits zum zweiten Mal am Organisationsteam. Dieses Jahr leitet er gemeinsam mit Dania Ahmad einen der zwei Deutschkurse. Zudem gibt es einen Englisch- und einen Mathematikkurs im Rahmen der Ferienschule.

Am ersten Tag geht es vor allem um das gegenseitige Kennenlernen, erklärt Dania den Ablauf. Deshalb bastelte ihre Gruppe zunächst Namensschilder und tauschte sich über ihre gegenseitigen Hobbys aus. Die Berichte der Grundschüler über ihre Freizeitaktivitäten und Interessen dienen auch als Anregung für das Wochenangebot, das die Zehntklässler zusammenstellen.

"Damit die Schüler wissen, was auf sie zukommt"

Die Gruppe von Oguzhan Aydin startete mit einigen Rechenspielen in die Woche. Dabei wurden auch Themen der siebten und achten Klasse besprochen. „Damit die Schüler wissen, was auf sie zukommt“, erklärt er. Die Motivation, als „Schüler-Lehrer“ an der Aktion der Herbert-Hoover-Schule teilzunehmen, ist vielfältig. So erzählt Las Shusha, dass er bereits selbst als Sechstklässler bei dem Ferienangebot mitmachte, sich später für die Sekundarschule entschied und das Projekt daher weiterhin unterstützt.

Auch bei den Gästen kommt die Aktion gut an. Dilara Agan berichtet, dass sie bereits den Tag der offenen Tür besuchte und nun auf den Unterricht neugierig ist. Sie entschied sich dabei für den Mathematikkurs, „weil Mathe mein Lieblingsfach ist“. Cansug Günener von der Humboldthain-Grundschule hat durch eine Lehrerin von dem Ferienangebot erfahren.

Im Herbst geht es auf Segeltour an die Nordsee

Diese gegenseitige Unterstützung resultiert aus einer Kooperation der Herbert- Hoover-Schule mit drei umliegenden Grundschulen: Mithilfe des Bonusprogramms kann eine gemeinsame Koordinatorin finanziert werden. „Am Ende profitieren Schüler und Lehrer“, fasst Rektor Thomas Schumann zusammen. Neben dem Schüleraustausch gehören auch gemeinsame Lehrerweiterbildungen zum Konzept. Und im Herbst geht Schumann mit den Sechst- und Zehntklässlern sogar auf Segeltour an die Nordsee. Auch das hat schon Tradition.

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