Tatra-Gebirge : Tierische Integrationsprobleme

In der Tatra verdrängen ausländische Pflanzen- und Tierarten die einheimischen und bedrohen das Biotop.

Tabea Brodhagen[Maria Hirnich],Leonard Israel[Maria Hirnich],Laura Wisniewski

Der See Strbske pleso, zu Deutsch: Tschirmer See, entstand nach der letzten Eiszeit. Im Wasser lebt ein kleines Wunder der Evolution: Sih Marena, eine silbrig glänzende, forellenähnliche Maränenart, die 20 bis 30 Zentimeter lang wird.

Durch die geografische Isolation des Sees inmitten des Tatra-Gebirges entwickelte sich eine spezielle Reinform der Marena, die auch geringste Störungen ihres Ökosystems kaum verkraftet, zumal die Wasserqualität des Strbske pleso sehr gut ist. Versuche, den seltenen Fisch außerhalb des Sees zu vermehren, scheiterten bisher vor allem am Transport.

Zum Schutz der Marena wurde Baden und Segeln untersagt, außerdem wird der Laich anderer Fischarten entfernt. Auch ausgewachsene Tiere, die für den einzigartigen Fisch gefährlich werden können, eliminiert man, zum Beispiel den Barsch.

Was der Barsch für die Sih Marena, das ist der Riesen-Bärenklau für die Flora der Hohen Tatra. Die Pflanze ähnelt äußerlich einem Rhabarbergewächs, ist jedoch im Gegensatz zu diesem sehr gefährlich, da sie solarphototoxisch auf alle Organismen wirkt. Das bedeutet, dass ihr Gift in Verbindung mit Sonnenlicht reagiert. Bei Berührung entstehen zum Teil großflächige Verbrennungen ersten und zweiten Grades, die zu anhaltenden Pigmentveränderungen, Kreislaufschocks und bei Kindern sogar zum Tod führen können. Allein die Gase, die an heißen Sommertagen vom Riesen-Bärenklau abgesondert werden, können Atemnoterscheinungen, Bronchitis und Verbrennungen hervorrufen.

Besonders gefährlich ist der Bärenklau, da sich Kinder gerne zwischen den bis zu fünf Meter hohen Pflanzen verstecken oder mit den bis zu einem Meter langen Blättern und Stängeln spielen. Dennoch wächst die Pflanze am Wegesrand ohne Gefahrenhinweise.

Nach Auskunft der Mitarbeiter des Nationalparks wird der Bestand genau kontrolliert, die jungen Pflanzen werden entfernt, bevor sie ihre giftige Wirkung entfalten können. So wird auch die Verbreitung des Bärenklaus verhindert. Denn das aus dem Kaukasus eingeschleppte Gewächs verdrängt heimische Pflanzenarten und bedroht das empfindliche Biotop.


0 Kommentare

Neuester Kommentar