Schule : Voyager und Espace – das war eine Revolution im Autobau

Erstmals gab es Großraumlimousinen mit einem gewaltigen Platzangebot und den Fahreigenschaften von Personenwagen

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TRANSPORTER UND MINIVANS

Nach optimal passenden Autos für große Familien musste man noch vor zwei Jahrzehnten lange suchen – und kam meist zu einem nicht gerade befriedigenden Ergebnis. Denn entweder bot sich ein besonders großer Kombi in einer so genannten Familienversion mit zusätzlicher dritter Sitzbank an, oder aber ein klassischer Kleinbus. Und beide waren letztlich nichts weiter als ein unbefriedigender Kompromiss. Denn bei den Kombis mit dritter Sitzbank blieb je nach Konstruktion nur noch wenig oder praktisch gar nichts mehr vom Laderaum verfügbar. Und bei den klassischen Kleinbussen hatte man zwar ausreichend Platz – aber dafür nur selten den Ausstattungs und vor allem Fahrkomfort, wie man ihn von einem Personenwagen gewöhnt war. Denn die Basis der meisten Kleinbusse waren nun einmal Nutzfahrzeuge.

Aber dann, vor zwei Jahrzehnten, gab es eine überzeugende neue Lösung. Praktisch zeitgleich in den USA und in Europa betrat ein ganz neues Fahrzeugkonzept die Bühne – der Minivan oder die Großraumlimousine, wie solche Fahrzeuge bei uns anfangs genannt wurden. Chrysler Voyager und Renault Espace waren die ersten Vertreter dieser klassischen Minivans, von denen allerdings nur der Voyager einen überzeugenden Blitzstart hinlegte und schon nach wenigen Jahren auf bestem Weg war, die gesamte amerikanische Personenwagenszene tiefgreifend umzukrempeln.

Denn Renault war mit seinem gemeinsam mit Matra entwickelten Espace anfangs alles andere als glücklich, registrierte so magere Verkaufszahlen, dass bereits alles nach einem sehr teuren Flop aussah. Aber dann wendete sich auch in Europa das Blatt. Der Espace begann sich durchzusetzen und damit traten auch bald die ersten Nachahmer des neuen Konzepts an.

Denn die Großraumlimousine dieser neuen Art bot, was weder familiengerechter großer Kombi noch klassischer Kleinbus bieten konnten: ausreichend Raum, der noch dazu variabel nutzbar war und die Fahreigenschaften , wie man sie von einem Personenwagen kannte.

Mit dem Durchbruch der Großraumlimousinen veränderte sich die Autolandschaft auch in Europa immer schneller. Immer mehr Großraumlimousinen wetteiferten um die Gunst großer Familien und zusehends auch von Autofahrern, die diese neue Fahrzeugkategorie als besondersvielseitiges Fahrzeug entdeckten. Denn in diesen Autos konnte man auch sperriges Sportgerät transportieren, Fahrräder problemlos mitnehmen und vieles andere. Und sie waren ideale Autos für die große Reise

Mit einem immer deutlicher erkennbaren Nachteil allerdings. Denn die klassischen Großraumlimousinen waren für viele Nutzer einfach zu groß. Und damit leider auch viel zu teuer – in der Anschaffung ebenso wie bei den Betriebskosten. Was fehlte war eine kompakte Variante des Minivans mit vergleichbaren Eigenschaften aber zu sehr viel moderateren Preisen. Und es sollte wiederum das französische Unternehmen Renault sein, das hier eine überzeugende Lösung anbot – mit dem Renault Mégane Scénic nämlich, der heute nur noch auf den Namen Scénic hört. Mit ihm, dessen Basis der Renault-19-Nachfolger Mégane war, trat der erste kompakte Minivan an - genauer der erste, der dann auch zu einem Erfolgsmodell wurde.

Denn auch die japanischen Hersteller hatten längst die Vorteile eines kompakten Minivans erkannt. Doch was Nissan als Prairie und Mitsubishi als Space Wagon auf die Räder stellten, wurde einfach nicht als Kompaktvan wahrgenommen. So gewannen nicht die Pioniere, sondern die Unternehmen, die die neue Idee auch ansprechend vermarkteten. Und sie krempelten die Minivan-Szene gründlich um.

So gründlich, dass inzwischen die kompakten Varianten die Szene beherrschen. Und kaum ein Hersteller kann es sich leisten, keinen kompakten Minivan in seinem Angebot zu haben. Damit nicht genug – längst findet man viele Qualitäten der kompakten Minivans im noch viel kleineren Format – als Microvan wie zum Beispiel in Form des Opel Agila oder, als Vorläufer dieser Idee, im immer noch aktuellen Renault Twingo. Und längst haben klassische Minivan-Eigenschaften ganze Pkw-Modellreihen verändert. Den Peugeot 307 ebenso wie den Honda Civic. Er ist längst allgegenwärtig– der kompakte Personenwagen mit dem verblüffend variablen Raumangebot, der etwas höheren Sitzposition und den oft geradezu sportlichen Fahrleistungen – und das alles hat gerade einmal vor 20 Jahren begonnen. ivd

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