Weiterführende Schulen in Berlin : Wo es noch freie Plätze gibt

1800 Siebtklässler schafften es nicht auf ihre Wunschschule. Nun beginnt die Suche nach einem Ausweg. Wir zeigen, wo es in den Bezirken noch Kapazitäten gibt – und was Eltern tun können.

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Blick in ein Klassenzimmer.
Blick in ein Klassenzimmer.Foto: dpa

Für zahlreiche Berliner Familien geht die Zitterpartie jetzt erst richtig los: Werden sie noch einen guten Schulplatz für ihr Kind finden? Rund 1800 Sechstklässler wissen noch nicht, wo sie ab September in die siebte Klasse gehen werden. Das betrifft 1300 Sekundarschüler und 500 Gymnasiasten. Sie haben keinen Platz an einer der drei Schulen bekommen, die sie sich gewünscht hatten. Das sind deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. Die Knappheit ist wohl auch dem Anstieg der Schülerzahlen geschuldet: Über 1000 Siebtklässler mehr als 2015 sind zu versorgen. Wie geht es jetzt weiter? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wo gibt es noch freie Plätze?

Die Senatsbildungsverwaltung gibt dazu keine Daten heraus. Die Zahlen würden sich dauernd ändern, so dass keine verlässliche Aussage möglich sei, teilte die Sprecherin der Behörde mit. Insgesamt gebe es aber 500 Plätze mehr als Anmeldungen. Die Schulämter bemühten sich, die freien Plätze zu koordinieren, sagte die Sprecherin. Deshalb fand bereits Anfang Mai die sogenannte Ausgleichskonferenz statt. Wir haben selbst nach freien Plätzen bei den Bezirken gefragt. Hier ist die Übersicht:

Charlottenburg-Wilmersdorf. Genaue Zahlen teilt der neue Schulstadtrat Oliver Schruoffenegger (Grüne) nicht mit. Die Platzvergabe sei noch nicht abgeschlossen, zunächst müssten Kinder aus Willkommensklassen oder solche, die noch nicht angemeldet sind, versorgt werden.

Friedrichshain-Kreuzberg. Am Robert- Koch-Gymnasium gibt es neun freie Plätze, alle anderen Gymnasien sind voll. An den Sekundarschulen meldet das Bezirksamt an folgenden Schulen Kapazitäten: Hector-Peterson-Schule (4), Lina- Morgenstern-Schule (4). Emanuel-Lasker-Schule (3).

Lichtenberg. Aus diesem Bezirk erhielten wir keine Antwort.

Marzahn-Hellersdorf. Hier gibt es noch relativ viele freie Plätze: Kerschensteiner-Schule (30), Jean-Piaget-Schule (4), Georg-Klingenberg-Schule (7), Konrad-Wachsmann-Schule (9), W.-A.-Mozart-Schule (21) und am Sartre-Gymnasium (11).

Mitte. Zehn Plätze sind am Gymnasium Tiergarten frei, insgesamt 25 Plätze an folgenden Sekundarschulen: Willy-Brandt- Schule, Ernst-Schering-Schule und Hedwig-Dohm-Schule.

Neukölln. Schulstadtrat Jan-Christopher Rämer (SPD) teilt mit, dass es mittlerweile keine verfügbaren Plätze mehr gibt. Die freien Plätze an einem Gymnasium und fünf Sekundarschulen seien denjenigen Schülern aus dem Bezirk angeboten worden, die bisher leer ausgingen.

Pankow. In diesem Bezirk sind überhaupt keine öffentlichen Schulplätze frei, teilt Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) mit. Anders ist es aber bei den freien Schulen (s.u.)

Reinickendorf. Alle Bezirkskinder konnten versorgt werden, sagt Stadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU). Es gebe noch einige wenige freie Plätze an Reinickendorfer Schulen, doch wolle man sie für Schüler aus Willkommensklassen freihalten, die in die Regelklassen wechseln.

Spandau. Von den Sekundarschulen haben die B.-Traven-Gemeinschaftsschule und die Schule am Staakener Kleeblatt noch Kapazitäten, bei den Gymnasien gibt es am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, am Kant-Gymnasium und am Carl-Friedrich-von-Siemens- Gymnasium noch wenige freie Plätze.

Steglitz-Zehlendorf. Nach Auskunft von Stadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) gibt es nur noch fünf freie Plätze am Hermann-Ehlers-Gymnasium.

Tempelhof-Schöneberg. Es gibt 16 Plätze an Sekundarschulen und drei Gymnasialplätze: Gustav-Langenscheidt-Schule (6 Plätze), Friedenauer Gemeinschaftsschule (10 Plätze), Luise-Henriette-Gymnasium (2 Plätze) und Ulrich-von-Hutten-Gymnasium (1 Platz).

Treptow-Köpenick. Es gibt nur sehr wenige freie Plätze, die Bildungsstadtrat Michael Vogel (CDU) nicht nennen möchte.

Was können Eltern tun, wenn ihr Kind noch keinen Platz hat?

Am vergangenen Wochenende wurden die Bescheide verschickt, und allen Kindern wurde ein Schulplatz zugewiesen – wenn auch in jenen 1800 Fällen nicht den Wünschen entsprechend. Gegen diesen Bescheid können Eltern Widerspruch einlegen. Sie können sich außerdem selbst um einen Schulplatz kümmern. Dafür am besten direkt bei den Schulen nachfragen. Zudem können Sie beim Schulamt ihres Wohnbezirks oder beim Schulamt des Bezirks, in dem Sie eine Schule suchen, nachfragen und sich beraten lassen.

Wie ist es bei den freien Schulen?

Wer sich nicht auf die öffentlichen Schulen fokussieren will, kann noch bei den freien Schulen fündig werden. „Wir haben in der kommenden 7. Klasse der Corrie-ten-Boom-Sekundarschule in Prenzlauer Berg noch einige Plätze frei und könnten im Extremfall sogar eine weitere Klasse starten lassen“, teilt Wolfgang Stock, der Geschäftsführer des freien evangelischen Schulträgers Christburg Campus, mit. Er fragt sich, warum die freien Schulen „trotz überall fehlender Sekundarschulplätze weder vom Senat noch von den Bezirken nach Vakanzen oder Möglichkeiten gefragt werden“. In dieser wichtigen Frage sei Berlin von Partnerschaftlichkeit noch weit entfernt, „obwohl es sowohl den Kindern als auch dem Senat konkret helfen würde“, wundert sich Stock. Die Schulen der Evangelischen Schulstiftung und des Katholischen Erzbistum sind zwar traditionell übervoll, aber wegen der üblichen Doppelanmeldungen vieler Familien kann es durchaus sein, dass jetzt oder sogar noch in den Ferien einzelne Plätze wieder frei werden. Dies gilt auch für andere freie Schulen wie die Waldorfschulen. Vakante Plätze gibt es auch noch in der bilingualen Freien Kantschule in der Körnerstraße. Hier kostet ein Schulplatz zwar 440 Euro im Monat, aber es gibt eine einkommensabhängige Staffelung, teilt Geschäftsführer Andreas Wegener mit.

Wie sieht es bei den fünften Klassen aus?

Auch diejenigen Kinder, die sich für die grundständigen Züge ab Klasse fünf angemeldet haben, bekamen jetzt die Bescheide. Insgesamt sieht es in diesem Bereich entspannter aus, so die Rückmeldung der Bezirke auf die Tagesspiegel–Anfrage. Nur nicht in Pankow, dort sind auch alle Plätze für die Fünftklässler belegt. Freie Plätze gibt es etwa am Goethe-Gymnasium in Wilmersdorf, am Eckener-Gymnasium in Mariendorf, im Dathe-Gymnasium und im Heinrich-Hertz-Gymnasium in Friedrichshain. Auch das Französische Gymnasium in Tiergarten hat noch Kapazitäten. In den Schnelllernerklassen des Neuköllner Dürer-Gymnasiums und des Weddinger Lessing-Gymnasiums gibt es ebenfalls noch Plätze.

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