Schule : „Wir brauchen bessere Bedingungen“ Bildungsforscherin bestärkt Kita-Bündnis

„Erzieher sollen die Prozesse in der Kita analysieren können.“

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Foto: privat

Frau Viernickel, wie beurteilen Sie das Berliner Bildungsprogramm, hat es die Arbeit der Kitas verbessert ?

Das Bildungsprogramm ist systematisch aufgebaut und deckt viele Bereiche ab. Aber wenn sich in den Kitas wirklich etwas verbessern soll, müssen die grundsätzlichen Rahmenbedingungen verändert werden.

Inwiefern?

Zum Beispiel, indem die Vor- und Nachbereitung der Mitarbeiterinnen und auch die Möglichkeit, Fortbildungsangebote wahrzunehmen, gesetzlich geregelt werden.

Wie viel Vor- und Nachbereitungszeit und Zeit zur Kinderbeobachtung sollte eine Erzieherin in der Woche bekommen?

Je nach Forderung und Berechnung dürfte sie 20 bis 40 Prozent der Arbeitszeit ausmachen. Das Kita-Bündnis fordert fünf Stunden, realistischer sind aber acht.

Was lernt ein Kind in der Kita, das es zu Hause nicht lernen kann?

Kinder lernen in den ersten Lebensjahren sehr viel über sich und über die soziale und materielle Umwelt. Außerdem machen sie im Bereich der Bewegung, der Sprache und des Denkens riesige Schritte.

Wie früh sollte ein Kind mit Migrationshintergrund in die Kita kommen, damit es seine Sprachdefizite ausgleichen kann – reicht dazu das kostenlose letzte Kita-Jahr?

Die Idee, dass man im letzten Jahr vor der Schule alle Defizite ausgleichen kann, funktioniert nicht. Je früher Kinder in die Kita kommen, umso höher ist die Chance, dass sie dort gut die deutsche Sprache lernen.

An Ihrer Hochschule werden die Erzieher von morgen ausgebildet. Was müssen diese Studenten können?

Unser großes Ziel ist es, dass die Studenten später im Beruf nicht nur ad hoc handeln, sondern sich die Prozesse in der Kita offen anschauen, diese reflektieren und analysieren. Das Erziehungsgeschehen ist so komplex, da reicht es nicht, nur mit auswendig gelernten Methoden zu arbeiten.

Sollten Erzieherinnen das Abitur haben?

In Berlin ist eine Hochschulzugangsberechtigung - also das Abitur bzw. Fachabitur - mittlerweile Voraussetzung, um eine Erzieherinnenausbildung beginnen zu können. Die Erfahrungen damit sind sehr positiv, und wir sollten auf keinen Fall davon abrücken.

Das Gespräch führte Rita Nikolow

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