Schule : Zöllner bekämpft Bürokratie an den Schulen Erste Schritte zur Entlastung der Pädagogen

Nach den Ferien soll es losgehen

Susanne Vieth-Entus

Ein Herzenswunsch der Berliner Lehrer geht in Erfüllung: Die Schulen dürfen einen Teil des bürokratischen Ballastes abwerfen, der sie zunehmend Zeit und Nerven gekostet hat. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) legte gestern ein entsprechendes „Sofortprogramm“ vor, das schon nach den Sommerferien greifen und den Arbeitsaufwand der Lehrer im Schnitt „um 20 bis 30 Stunden im Jahr entlasten soll“. Die Opposition sprach – mit Einschränkungen – von „einem Schritt in die richtige Richtung“. Die von Zöllner im Februar eingesetzte Projektgruppe „Bürokratieabbau“ unter Leitung des ehemaligen Staatssekretärs Elmar Schulz-Vanheyden aus Nordrhein-Westfalen machte 37 Vorschläge, aus denen Zöllner jetzt erstmal die 18 praktikabelsten und unstrittigsten auswählte.

Die meisten Punkte erleichtern schlicht die schulischen Abläufe. So soll das Verfahren rund um die Förderpläne für Schüler, die sitzenzubleiben drohen, vereinfacht werden. Künftig kann der Lehrer mit Schülern und Eltern Fördermaßnahmen festlegen, ohne alle Lehrer des Schülers erst zusammenrufen zu müssen. Bei über 10 000 versetzungsgefährdeten Schülern seien dabei über 100 000 Lehrerstunden benötigt worden, ohne dass der Effekt diesen Aufwand gerechtfertigt habe, meint Zöllner.

Der Arbeitserleichterung dient auch der Verzicht auf die schriftliche Begründung von Notensprüngen im Zeugnisprotokoll. Künftig soll es genügen, wenn Eltern auf Nachfrage die entsprechenden Informationen erhalten. Zudem soll es in der dualen Ausbildung an Berufsschulen keine Halbjahreszeugnisse mehr geben.

Da die Grundschulen ab 2007/2008 nur noch in Klasse 3 Vergleichsarbeiten schreiben, entfällt die eigentlich noch geplante Vergleichsarbeit in Klasse 4 zu Beginn des Schuljahres 2007/2008. Zudem dürfen die Vergleichsarbeiten künftig wie eine Klassenarbeit gewertet werden. Beim Übergang in die Oberschule muss bisher ein mehrseitiges Gutachten zeitgleich zum Halbjahreszeugnis der Klasse 6 angefertigt werden. An diese Stelle tritt in Zukunft ein kurzes Formular. Weitere Entlastungen betreffen die Genehmigung von Schülerfahrten, die Berichtspflicht für Abiturgutachten und -protokolle, Präventionsgespräche mit erkrankten Lehrern, die Überarbeitung der Zeugnisformulare und die Beurlaubung der Schüler für Auslandsaufenthalte. Zudem soll der Termin zur Vorlage der internen Evaluationsberichte der Schulen um ein Jahr verschoben werden, so dass sie erst im März 2009 abgegeben werden müssen.

Zu den Mitgliedern der Projektgruppe gehörten neben Verwaltungsfachleuten und einem Elternvertreter auch die Schulleiter Erhart Laube, Harald Mier und Hinrich Lühmann – allesamt kritische Geister, die seit langem die Entbürokratisierung gefordert hatten. Laube war gestern ebenso wie der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Sascha Steuer unzufrieden darüber, dass es der von der Projektgruppe geforderte Verzicht auf etliche Statistiken nicht in die Liste der sofort umzusetzenden Maßnahmen geschafft hatte.

Laubes Kollege Lühmann findet das allerdings nicht so bedenklich: Er gehört zu der Arbeitsgruppe, die von Zöllner mit der Umsetzung der Entbürokratisierungsvorschläge betraut worden ist. Sie soll sich nicht nur um die 18 Punkte kümmern, die auf Zöllners Liste ganz oben stehen, sondern auch die anderen 19 aus dem Papier der Projektgruppe prüfen. Dazu gehört etwa die Forderung, das Zentralabitur auf weitere Fächer auszudehnen, weil das ebenfalls zur Entlastung beitragen könne. Auch die Schulporträts im Internet werden kritisiert, weil ihr Inhalt sich zum Teil mit der Homepage der Schulen doppelt und damit auch doppelt arbeitsaufwändig ist.

„Ich werde die Schulen anschreiben und sie bitten, weitere Vorschläge zum Bürokratieabbau zu machen, kündigte Zöllner gestern an. Er sei „ernsthaft bemüht“, bei diesem Thema wirklich etwas zu erreichen.

Der Senator hatte im Februar noch zwei weitere Projektgruppen eingesetzt. Die Vorschläge der Experten, die sich mit der besseren Verteilung der Lehrer befassen wollten, wird Zöllner am Donnerstag vorstellen. Die Ergebnisse zum Thema Schulaufsicht werden erst nach den Ferien präsentiert.

Der Bericht der Projektgruppe „Entbürokratisierung“ ist zu finden unter www.berlin.de/sen/bildung/bildungspolitik/.

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