Sechsfache Mutter geköpft : Mann kommt in Psychiatrie

Er brachte seine Frau auf bestialische Art und Weise um, doch er ist nicht schuldfähig: Orhan S. geht nicht ins Gefängnis, sondern wird in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht. Er war bereits zuvor in Behandlung gewesen.

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"Frauen, habt Mut, holt Euch Hilfe!" Nach dem grausamen Mord an einer Frau in Kreuzberg findet am Dienstagabend eine Mahnwache am Tatort statt.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Kai-Uwe Heinrich
05.06.2012 21:16"Frauen, habt Mut, holt Euch Hilfe!" Nach dem grausamen Mord an einer Frau in Kreuzberg findet am Dienstagabend eine Mahnwache am...

Die Krankheit ließ ihn töten. Mit vier Messern hatte Orhan S. am 4. Juni auf seine Ehefrau eingestochen, sie dann auf der Dachterrasse der Wohnung in Kreuzberg enthauptet und den Kopf in den Innenhof geworfen. Der 32-Jährige habe seine Frau als Teufel angesehen, hieß es am Freitag im Urteil. Stimmen hätten ihm die Tat befohlen. Aufgrund einer Erkrankung sei er nicht schuldfähig gewesen. S. wird in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht, entschied das Landgericht.

Orhan S. und die zwei Jahre jüngere Semanur S. hatten 1998 im anatolischen Osten der Türkei geheiratet. Die Familien hatten das arrangiert. „Er sah es als eine Zwangsheirat an“, sagte der Vorsitzende Richter. Das habe dazu geführt, dass er sie für alles verantwortlich machte, was ihm nicht gelang.

Orhan S., in Berlin aufgewachsen, hatte zuvor eine deutsche Freundin. An die Frau, die die Familie wollte, habe er sich „gewöhnt“, sagte er im Prozess. Trotz der sechs gemeinsamen Kinder blieb die Verbindung jedoch unglücklich. „Ich war wegen der Kinder da“, sagte S., der seine Frau mit einer Nachbarin betrogen hatte.

Nach 14 Jahren kam es zur Tragödie. Die Kinder schliefen, als die Eltern stritten. S., der bereits 2007 wegen einer Psychose behandelt wurde, hatte verordnete Medikamente längst abgesetzt. Er stand schließlich auf der Dachterrasse in der Köthener Straße und wetzte die Messer. „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) rief er und stach zu. Solange er durch seine Krankheit gefährlich sei, müsse die Allgemeinheit geschützt werden, erklärte das Gericht.

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