TV-Duell mit Wowereit : Künast macht den Weg frei für Rot-Grün

08.09.2011 22:12 UhrVon Armin Lehmann

Im Fernsehduell mit Klaus Wowereit sagt Renate Künast überraschend deutlich, dass sie Schwarz-Grün für Berlin ablehnt - und wird von der Herausforderin zur Wegbereiterin.

Als es um die Wirtschaft und um die Entwicklung des Flughafens Tegel ging, forderte Künast: „Leute zusammenholen“, man müsse sich „als Person reinhängen“, „internationale Zeitschriften“ lesen, um selbst „in den Vorstandsetagen der Unternehmen“ zu werben, auch in China und für E-Mobilty. Wowereit konterte trocken, er habe alle an den Tisch geholt, und seine Investoren würden sich bedanken, wenn sie durch Frau Künast nun auch noch Konkurrenz aus China bekämen. Das sei ja quatsch, winkte die ab, aber wieder war ein Punkt verloren.

Ansonsten wenig neue Erkenntnissen: Lokale Initiativen finden beide gut, fürs Quartiersmanagement sind sie auch, und Künast warb sogar „nicht nur platt für die Grünen“, sondern dass Bürger auch für andere Parteien in die Bezirksverordnetenversammlungen gehen. Den Steglitzer Kreisel finden beide hässlich, Künast träumt angeblich sogar von ihm. Beim Mietenthema will Künast mehr Wohnungen in Landesbesitz als Wowereit und kritisiert zu wenig Bundesrats-Engagement, was Wowereit überraschend ganz anders sieht.

Ausgerechnet bei der Kitapolitik ist Künast ehrlich und sagt, weitere Verbesserungen werden sie nicht kostenfrei machen können“, aber im Wahlkampf ist das schlecht, was Wowereit ihr auch prompt vorhält. Kurz vor dem Ende wirft ihm Künast „Arroganz“ vor, als der sich beim Thema Länderfinanzausgleich über seine Parteikollegen in Baden-Württemberg echauffiert, er lasse sich da nichts vorschreiben, „die sollen sich nicht aufregen“.

Endlich mal Streit... – aber die Moderatoren rufen, die Sendung sei zu Ende. Künast gibt nicht auf, versucht nochmals das Koalitionsthema zu spielen. Wieder verpassen die Moderatoren die Gelegenheit, können aber nicht verhindern, dass Wowereit Künasts symbolischen Handschlag annimmt: Er wolle eine Koalition, die für soziale Gerechtigkeit stehe, das sei mit der Linken und den Grünen möglich. Mit der Linken müsste das allerdings erst einmal rechnerisch möglich sein. Und: „Eine Koalition mit der CDU kann ich mir nur schwer vorstellen.“

Klarer Punktsieg für den Regierenden, die Herausforderin hat ihre neue Aufgabe indirekt definiert: Wegbereiterin hin zu Rot-Grün.

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