Verbrechen in Berlin-Köpenick : DNA-Spuren überführen Vergewaltiger nach 24 Jahren

1993 wurde ein 14-jähriges Mädchen in einer Gartenlaube in Berlin-Köpenick überfallen. Ab Freitag wird einem 47-Jährigen der Prozess gemacht.

Personalmangel in Berlin. Verbundene Augen sind bei Justitia erwünscht, gebundene Hände nicht.
Personalmangel in Berlin. Verbundene Augen sind bei Justitia erwünscht, gebundene Hände nicht.Foto: picture alliance / dpa

Mircea T. fühlte sich wohl von Jahr zu Jahr sicherer. Schließlich ging er auf Reisen quer durch Europa – stehlend. Das Verbrechen in Berlin, so wird er gedacht haben, wäre vergessen. Doch die Vergangenheit holte ihn ein. 24 Jahre nach der Vergewaltigung eines 14-jährigen Mädchens in einer Gartenlaube in Köpenick klickten für Mircea T. in Kopenhagen die Handschellen. Ab Freitag wird dem 47-Jährigen vor dem Landgericht der Prozess gemacht. Eine DNA-Spur führte zur Anklage.

Der Rumäne war laut den Ermittlungen der Polizei in der Nacht zum 2. Juli 1993 mit zwei Landsleuten unterwegs – auf Klautour in einer Kleingartenanlage. Mit einer Brechstange hebelten sie eine Laube nach der anderen auf. In der fünften aber übernachteten zwei Teenager.

Das Mädchen 14 Jahre alt, der Junge 15. Die erste Liebe. Mit Erlaubnis der Eltern schliefen sie in der Laube. Um vier Uhr am Morgen aber hörte Jana (Name geändert) ein Rütteln an der Tür. Taschenlampen leuchteten in den Raum und erfassten die Teenager.

Die drei Einbrecher suchten nach Geld und Schmuck. Dann schauten sie das Mädchen an. Laut Anklage sollen sich die Männer kurz besprochen und den Entschluss gefasst haben, die erkennbar Minderjährige zu vergewaltigen. Sie hätten dem Jungen mit einer Geste angedroht, ihm die Kehle durchzuschneiden. Sie seien dann über das Mädchen hergefallen. Einer nach dem anderen. Das Martyrium dauerte mehr als eine Stunde.

Als die Vergewaltiger endlich verschwunden waren, klingelten die beiden Jugendlichen bei Nachbarn. Die Polizei nahm die Ermittlungen auf. Auch sechs Zigarettenkippen wurden in Tatortnähe sichergestellt. Sie stammten vermutlich von den Tätern. DNA-Spuren befanden sich daran. Doch es blieb zunächst DNA ohne einen Namen.

„Die Ängste holen mich immer wieder ein“

Es waren Fingerabdrücke, die zum ersten Täter führten. Der Mann erhielt im Juli 1995 unter anderem wegen Vergewaltigung fünf Jahre Gefängnis. 13 Jahre später waren es DNA-Spuren an einem Bettlaken, die zur Anklage gegen den zweiten Täter führten. Der zur Tatzeit 19-Jährige erhielt zwei Jahre und acht Monate Haft.

Mircea T. schien unbehelligt davonzukommen. Der Mann aus Bukarest ging schließlich wieder auf Reisen – wohl als fahrender Dieb. 2012 wurde er in England verurteilt, 2014 in Frankreich, 2015 in Spanien. Zuletzt erhielt er im April 2016 als Dieb eine Haftstrafe von sieben Monaten. Nach seinen Angaben hat er seit etwa 20 Jahren eine eigene Familie und auch zwei Kinder.

Als angeblich kleiner Dieb kam Mircea T. lange ohne Abgabe einer DNA-Probe davon. Das änderte sich im Mai 2014 in Paris. Zwar kam T. danach schnell wieder frei. Die Daten aber wurden europaweit abgeglichen. Im August 2016 dann ein Treffer: Es war eine von rund 23.800 Anfragen, die im vergangenen Jahr im DNA-Labor des Kriminaltechnischen Instituts der Berliner Polizei eingegangen war.

Das Muster der DNA einer Person kommt in der Bevölkerung mit einer Häufigkeit von weniger als eins zu zehn Milliarden vor, ist unverwechselbar wie ein Fingerabdruck. Gegen T. erging ein europäischer Haftbefehl. Im Mai erfolgte seine Festnahme, seit Juni befindet sich T. in Berlin in Untersuchungshaft.

Gegenüber der Polizei soll T. gestanden haben. Es tue ihm sehr leid, er sei sehr betrunken gewesen, soll er zu Protokoll gegeben haben. Er habe nicht gedacht, dass er zu einer solchen Tat fähig sein könnte, er wolle sich bei der Geschädigten entschuldigen.

Das Mädchen von damals ist heute 38 Jahre alt. Die Frau ist wie in den früheren Prozessen als Zeugin geladen. „Die Ängste holen mich immer wieder ein“, hatte Jana in einer Verhandlung geschildert. Für den dritten Prozess sind zwei Tage geplant.

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