Tod in Tram : 18-Jähriger freigesprochen

Es war eine zufällige Begegnung am S-Bahnhof Schöneweide, die am 18. August letzten Jahres tödlich endete. Jetzt bescheinigte das Jugendgericht dem Angeklagten, in Notwehr gehandelt zu haben.

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Das Recht auf Notwehr war auf seiner Seite, als der 18-Jährige in einer Tram auf einen anderen Fahrgast einstach. Das stand am Dienstag für ein Jugendgericht fest. Nach einem Streit um eine angebliche Rempelei habe das spätere Opfer die Konfrontation gesucht und den Angeklagten angegriffen. „In dieser Situation durfte er ein Messer einsetzen“, hieß es. Dennis G. wurde vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen. Der Ankläger hatte dagegen vier Jahre Haft gefordert.

Es war eine zufällige Begegnung am S-Bahnhof Schöneweide, die am 18. August letzten Jahres tödlich endete. Dennis G. war mit seiner damaligen Freundin auf dem Weg zur Fahrschule. Sie waren in guter Stimmung. An einer Rollstuhlrampe wurde es eng. Ein kräftig gebauter Mann schien seine Freundin angerempelt zu haben. „Können Sie nicht aufpassen“, sagte G. und zog sich so nach Aussagen von Zeugen den Zorn des 39-jährigen Kontrahenten zu. Es kam zum Streit und zu Faustschlägen. Dennis G. zog den Kürzeren. Als Passanten eingriffen, entfernte er sich schnell in Richtung Tram.

Der 39-jährige Mann, der auf dem Weg zu seiner Mutter war, setzte nach. „Zeugen und Videoaufnahmen bestätigten, dass er G. suchte“, hieß es im Urteil. Er fand das junge Paar in einer Straßenbahn der Linie 21. Da war einer der Männer, die G. am S-Bahnhof geholfen hatten, gerade dabei, dem Jugendlichen ein paar Tipps für ähnliche Fälle zu geben. Der „Helfer“ steckte ihm auch noch ein Messer zu und stieg aus. Da nahm das Verhängnis seinen Lauf.

Zielgerichtet sei das spätere Opfer auf den Angeklagten zugegangen, stand für die Richter fest. „Er schlug unvermittelt mit der Faust auf G. ein.“ Hektisch und laut wurde es. „Es ging alles so schnell“, sagte der Angeklagte. Erst wollte er sich mit Fäusten wehren, aus Angst und in Panik habe er dann „ungezielt“ zugestochen. Ein Stich traf ins Herz. Der Angreifer starb an einer Haltestelle in Oberschöneweide. Dennis G., der kurz vor Beginn einer Ausbildung zum Fahrradmechaniker stand, saß vier Monate in Haft. Die Richter sprachen ihm nun Haftentschädigung zu.

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