Berliner Umland : Politik für Pendler und junge Familien

Von Falkensee bis Strausberg, von Bernau bis Kleinmachnow: Rund um Berlin ähneln sich die Wahlkampf-Themen. Verkehr und Bildung stehen im Mittelpunkt

Matthias Matern
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Der Stadt und dem Landkreis. Die Bernauer Gemeindevertreterin Elke Keil (SPD) bringt mit einem Parteifreund Wahlkampfplakate an. -Foto: Matthias Matern

Potsdam - Sandra Bartels lebt in Bernau, ist hochschwanger und steht kurz vor der Entbindung. Wählen gehen will sie aber trotzdem. Was sie von den Politikern der Stadt erwarte? „Vernünftige Angebote für Jugendliche. Da ist zu wenig passiert“, sagt die 27-Jährige. Ein Thema, das sich auch Elke Keil auf die Fahnen geschrieben hat. Für die SPD sitzt sie in der Bernauer Stadtverordnetenversammlung. Angebote für Kinder gebe es reichlich, sagt Keil, aber Jugendlichen bleibe kaum mehr als der Stadtpark. Bildung, Verkehrsplanung und Straßenbau sind weitere Themen, die die Wahlkämpfer hier beschäftigen. „Bernau hat eine sehr hohe Schadstoffbelastung. Eine stadtnahe Entlastungsstraße muss her“, fordert Keil. Zudem seien manche Ortsteile nur unzureichend an die Innenstadt angebunden.

Wie Bernau kämpfen viele Städte und Gemeinden im Berliner Umland mit den gleichen Problemen. So hat sich die Zahl der Einwohner Bernaus im Nordosten seit der Wende fast verdoppelt, ebenso in Falkensee im Westen. Auch Oranienburg im Norden, Kleinmachnow im Südwesten oder Königs Wusterhausen im Südosten verzeichnen deutliche Zuwächse. Und die Einwohnerzahlen werden weiter steigen. Die jüngste Bevölkerungsprognose geht davon aus, dass im Jahr 2030 rund 48 Prozent der Brandenburger im Berliner Umland leben. Darunter zahlreiche junge Familien, die aus Berlin umziehen. Bereits jetzt platzen vielerorts Bildungseinrichtungen aus allen Nähten, fehlt es an Jugendtreffs, genügen das Straßennetz, der öffentliche Nahverkehr und die Zahl der Parkplätze in den Innenstädten nicht mehr den Anforderungen.

Was den Bürger sonst noch ärgert, bekommen Lokalpolitiker spätestens am Wahlkampf-Stand zu hören. „Für Unmut sorgt bei vielen der Straßenausbau“, sagt etwa Elke Keil. Beklagt werde, dass sich Anwohner zwar an den Kosten beteiligen müssten, aber kein Mitspracherecht hätten. Ein Top-Thema ist das auch für Bernd Preuß, FDP-Kandidat im knapp 40 Kilometer entfernten Oranienburg. Zu zweit sind die Liberalen dort im Stadtparlament vertreten. „Den Ausbau der alten Sandstraßen sollen Anrainer zu 90 Prozent mitfinanzieren. Das ist vielen einfach zu hoch.“

Auch in Falkensee erregt das Thema Verkehr die Gemüter. Seit langem wird dort der Bau einer Umgehungsstraße zur Entlastung der Innenstadt diskutiert. Solveig Hampel von der vierköpfigen Fraktion der Grünen erteilt dieser Variante aber eine Absage. Das Verkehrsaufkommen müsse einfach besser geleitet und der öffentliche Nahverkehr attraktiver gestaltet werden. Zudem liege der Anteil des Durchgangsverkehrs bei lediglich acht Prozent. Natürlich steht auch Bildung auf Hampels Agenda. Angesichts des massiven Zuzugs der vergangenen Jahre eine große Herausforderung, meint sie. „Die Bausubstanz vieler Schulen muss dringend verbessert werden“, fordert die Stadtverordnete. Dasselbe gelte für Horte und Kitas.

Südlich von Berlin in Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf ist Bildung zwar auch ein Thema. Dringlicher als neue Schulen sei aber ein besserer öffentlicher Nahverkehr, besonders nach Berlin, meint Klaus-Jürgen Warnick. Für die Linke will er erneut in die Gemeindevertretung von Kleinmachnow einziehen. In Strausberg östlich von Berlin, einer weitere Stadt mit Wachstumspotenzial, geht es ebenfalls um die Anbindung nach Berlin. „Die S-Bahn fährt nur alle 40 Minuten“, klagt Steffen Schuster, Fraktionsvorsitzender der Wählergemeinschaft Pro Strausberg. Er will sich für einen 20-Minuten-Takt einsetzen.

An Möglichkeiten nach Berlin zu gelangen fehlt es in Königs Wusterhausen nicht. Aber in der Stadt selbst herrsche Konzeptlosigkeit, findet Christian Möbus. Der 24-jährige Christdemokrat kandidiert für das Stadtparlament. „Die Anbindung der Ortsteile muss verbessert, das Parkplatzproblem in der Innenstadt gelöst werden, und es gibt zu wenig Radwege“, sagt Möbus.

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