Der Tagesspiegel : Besser hören ohne Piepen

Moderne digitale Hörgeräte werden immer kleiner und leistungsfähiger

Christine Decker

So klein wie ein Zwei-Cent-Stück, aber trotzdem mit großem technischen Know-how ausgestattet – so sieht die neueste Generation von Hörgeräten derzeit aus. Zwar wird Schwerhörigkeit in der Gesellschaft immer noch als ein Problem wahrgenommen, das vornehmlich ältere Menschen betrifft, doch leiden in steigendem Maße auch Jugendliche darunter.

Derzeit gibt es laut Kassenärztlicher Vereinigung Berlin 15 Millionen Menschen in Deutschland mit einer Hörschwäche, allein in Berlin sind es 270000. Verantwortlich für die steigenden Zahlen sind neben einer allgemein zunehmenden Lärmbelästigung auch berufs- oder freizeitbedingte Belastungen des Gehörs. Die Dauerbeschallung mit lauter Musik kann ebenso wie das Silvesterfeuerwerk zu einer irreversiblen Schädigung der feinen Härchen im Innenohr führen.

Jeder, der sein Hörvermögen prüfen lassen möchte, kann dies kostenlos beim Hörgeräte-Akustiker tun. Wird eine Einschränkung festgestellt, folgt der Gang zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Dieser klärt die Ursache des Problems und verordnet wenn nötig ein Hörgerät.

Die Anpassung des Hörgerätes erfolgt durch den Hörgeräte-Akustiker. Mit ihm wird individuell nach einer auf die Bedürfnisse des jeweiligen Menschen abgestimmten Versorgung gesucht. Ein entscheidender Faktor ist beispielsweise der Grad der Schwerhörigkeit. Und je kleiner das Gerät, desto größer sind die Anforderungen ans Sehvermögen und die Feinmotorik bei Batteriewechsel und Reinigung.

Egal ob klein oder etwas größer, modernste digitale Technik bietet neue Möglichkeiten. Wo früher der Akustiker mit dem Schraubenzieher das Hörgerät eingestellt hat, übernimmt diese Aufgabe heute ein Computer. Das akustische Signal wird digitalisiert und kann, anders als bei einem Gerät mit analoger Technik, bearbeitet werden. Dadurch ist es möglich, Details zu verstärken oder zu unterdrücken und so störende Nebengeräusche herauszufiltern und Sprache deutlicher hervorzuheben. Auch das lästige Rückkopplungspfeifen kann nahezu vollständig behoben werden. Die Zeiten, wo’s bei Oma piepte, scheinen – zumindest mit einem digitalen Hörgerät – endgültig passé zu sein.

Diese Technologie hat ihren Preis. Zwischen 400 und 2000 Euro kostet ein Hörsystem, sagt das Forum Besser Hören. Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten seit dem 1. Januar 2005 mit einem Festbetrag von 421 Euro. Manche Kassen bezahlen mehr. Die Differenz muss aus eigener Tasche finanziert werden.

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