Der Tagesspiegel : Biodiesel auch aus Schlachtabfällen und Frittierfetten

Simone Leinkauf

Hohenbucko. Biodiesel ist eine Alternative für Autofahrer - auch in Brandenburg. Ein Liter des alternativen Kraftstoffs kostet zur Zeit zwischen 1,43 Mark und 1,45 Mark und damit 15 bis 20 Pfennig weniger als herkömmlicher Diesel. Und selbst wenn mit dem rein pflanzlichen Diesel der Verbrauch je nach Einsatzart und Motortyp bis zu fünf Prozent über den Werten des "Dieselbruders" liegt, lohnt sich der Umstieg noch immer. Doch wie und vor allem wo kommt der Raps in den Tank?

In Deutschland gibt es inzwischen mehr als tausend Biodieseltankstellen, in Brandenburg und Berlin sind es knapp 50: "Diese Daten ändern sich fast von Tag zu Tag, weil immer mehr dazukommen", sagt Jürgen Wolf, der als Geschäftsführer der "HAWO ökologische Rohstoffe GmbH & Co. KG" in Hohenbucko für den Vertrieb von Biodiesel zuständig ist. Und er rechnet damit, dass die Nachfrage nach Biodiesel weiter steigt.

Momentan kommen von den insgesamt 300 000 Tonnen Biodiesel, die jährlich in ganz Deutschland produziert werden, 60 000 Tonnen aus einer Anlage in Wittenberge. In Schwarzheide wird auf dem Gelände der BASF gerade eine weitere Anlage mit einer Kapazität von 100 000 Jahrestonnen erbaut. Und damit scheint in Brandenburg der Bedarf noch immer nicht gedeckt zu sein: Drei bis vier kleinere Anlagen mit Kapazitätsgrößen von bis zu 20 000 Tonnen jährlich sind in der Planung.

Fruchtfolge bremst Anbau

Fachleute erwarten, dass langfristig in Brandenburg wie in ganz Deutschland fünf bis sechs Prozent des Mineraldieselverbrauchs durch Biodiesel ersetzt werden können. In anderen Szenarien wird sogar von zehn Prozent gesprochen. Dies allerdings hält Jürgen Wolf für utopisch: "Dann müssten 20 Prozent der Anbaufläche in der Bundesrepublik für Raps reserviert werden", so der Vertriebsmanager. Und dies sei schon wegen der Einhaltung der Fruchtfolgen gar nicht möglich.

Wird Raps in Zukunft importiert, könnte sich das Bild wieder ändern. Schließlich soll durch den Bau zusätzlicher Anlagen schon in den nächsten zwei Jahren die jährliche Produktion in Deutschland auf 500 000 Tonnen steigen. Möglicherweise sind das alles bald veraltete Zahlen: Vor kurzem wurde in Malchin (Mecklenburg-Vorpommern) von der SARIA Bio-Industries die weltweit erste Anlage zur Erzeugung von Biodiesel aus rein tierischen Rohstoffen in Betrieb genommen: Biodiesel aus Schlachtabfällen und gebrauchten Altspeiseölen wie beispielsweise Frittierfetten. Die SARIA Bio-Industries verarbeitet Schlachtabfälle unter anderem zu Tiermehl und Fetten für die Industrie. Nachdem durch die BSE-Fälle in Deutschland Schlachtabfälle nicht mehr auf den gleichen Wegen verarbeitet werden dürfen wie vor dem Herbst 2000, mussten neue Verwendungsmöglichkeiten her. In Malchin, wo auch die Schlachtabfälle aus der Uckermark landen, werden jährlich rund 14 000 Tonnen Biodiesel zunächst für die firmeneigenen Lastwagen produziert.

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