Der Tagesspiegel : Brand-Erkennung: Kamera contra Mensch - Waldbrandbeobachtung in Peitz

Kaum fünf Quadratmeter groß ist das Reich von Waldbrandbeobachter Bernd Stipp. Zusammen mit einer Kühlbox, einem alten Sessel, einem Fernglas, einer Peileinrichtung und einem Telefon thront der Forstwirt alleine in 30 Metern Höhe auf dem Feuerwachturm Drachhausen (Spree-Neiße). Angestrengt späht der 32-Jährige nach verdächtigen Rauchfahnen. Diese Arbeit soll bald durch ein automatisches System der Branderkennung ersetzt werden. Drei digitale Kameras sind bereits testweise auf drei der elf Türme in den Wäldern um Peitz installiert. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hatte sie ursprünglich für den Einsatz im Weltraum entwickelt.

"In sieben Minuten dreht sich die Kamera um 360 Grad", erklärt der Sachbearbeiter im Amt für Forstwirtschaft Peitz, Joachim Nugel. Sie liefert Panoramabilder mit Uhrzeit und Position auf einen Computer im Amt, der die Bilder gleicher Positionen miteinander vergleicht. Bei Veränderungen jeder Art piept es. "Wenn die Wolken tief hängen, geht der Alarm andauernd", sagt Nugel. Der Computer kann Rauch, Staub oder Nebel nicht voneinander unterscheiden. "Bei der Bearbeitung der Bilder kann man auf den Menschen nicht verzichten", sagt Nugel.

15 Millionen Mark will das Land Brandenburg in den kommenden Jahren für neue Formen der Brandüberwachung ausgeben, wie der Referent im Potsdamer Agrarministerium, Thomas Erlemeier, sagt. Die 133 Wachtürme im Land stammten zumeist aus den 60er Jahren. Zwei Drittel der maroden Bauten sollen langfristig kein Personal mehr haben. Arbeitsplätze sollen jedoch nicht wegfallen, wie Sachbearbeiter Nugel betont. Die Forstwirte könnten statt der Brandbeobachtung ihre anderen Arbeiten im Wald erledigen. In den Sommermonaten verbringt ein Forstwirt im Wechsel mit Kollegen etwa fünf Wochen auf einem Turm, der weder Toiletten noch Wasseranschlüsse besitzet und im Wind hin- und herschwankt. Ist die höchste Waldbrandwarnstufe 4 ausgerufen, dauert der Einsatz elf Stunden am Stück.

"Bei der Hitze ist das gar kein Arbeiten mehr", stöhnt Forstwirtin Sabine Nitschke. Sie wechselte vor zwei Jahren vom Turm ins Büro und wertet nun die digitalen Bilder der drei Kameras vor dem Computer aus. Kollege Stipp schiebt dagegen weiter Dienst in luftiger Höhe. Nach der körperlichen Arbeit im Wald ist dieses für ihn "mal wieder eine ruhige Woche". Bei gutem Wetter reicht die Sicht 50 Kilometer weit. Sieht Stipp verdächtige Rauchfahnen, stimmt er sich mit den Kollegen der Nachbartürme ab. Der 32-Jährige erinnert sich an Sommertage, an denen das Thermometer kaum unter 40 Grad sank. Nach mehreren Stunden Arbeit in der Hitze schwirrt dem Forstwirt nicht selten der Kopf: "Dann sieht man auch Sachen, die gar nicht da sind."

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