Der Tagesspiegel : BSE-Testsiegel kostet viel und sagt wenig

Ingo Bach

Ein Jahr nach den ersten BSE-Fällen in deutschen Rinderherden droht den Züchtern neues Ungemach. Der Skandal um schlampige BSE-Tests in einigen Bundesländern weitet sich aus und löst Misstrauen gegenüber privaten veterinärmedizinischen Laboren aus. Denn einige von ihnen werden für die beanstandeten Tests verantwortlich gemacht. In Brandenburg hat nur ein privates Labor die Zulassung, Proben von Schlachtrindern auf die Erreger des Rinderwahnsinns zu überprüfen: die Firma InVet in Cottbus. Dabei handelt es sich jedoch um freiwillige Tests an Rindern, die jünger als 24 Monate alt sind. Freiwillig deshalb, weil deren Aussagekraft nach Expertenmeinung nahe null ist. In diesem Alter könne man den Nachweis auf BSE noch nicht sicher führen. Gesetzlich vorgeschrieben ist der Test nur bei Rindern ab 24 Monaten. Dafür sind in Brandenburg zwei staatliche Labore - in Potsdam und Frankfurt (Oder) - zuständig.

InVet hat die vom Staat offen gelassene Marktnische genutzt. Im letzten Jahr kontrollierte die Firma 3262 Tiere - die staatlichen Kollegen testeten über 49 000 Rinder und stießen dabei auf vier positive Proben. Finden die Wissenschaftler keine BSE-Erreger, dann stempeln staatliche wie private Kontrolleure auf den Testbogen: "BSE nicht nachgewiesen". Doch hat so ein Satz eine unterschiedliche Bedeutung. Über 24 Monaten heißt das mit hoher Wahrscheinlichkeit, das Rind war nicht krank. Unter 24 Monaten heißt es eben nur: Nicht nachweisbar.

"Von Rindern in diesem Alter geht keine Gefahr für den Verbraucher aus," sagt der Sprecher des Brandenburger Landwirtschaftsministeriums, Jens-Uwe Schade. Nach den bisherigen Erfahrungen bricht die Krankheit erst in späterem Alter aus. Und das Institut in Cottbus meint: "In der Region Südbrandenburg, wo wir testen, ist die Wahrscheinlichkeit, auf BSE-Erreger zu stoßen, gleich null", sagt InVet-Geschäftsführer Gerald Mydlak. Das Futter sei hier seit Jahren schon in Ordnung.

Doch warum werden dann die Tests überhaupt durchgeführt? Der Handel und die Fleisch verarbeitende Industrie fordern diese Untersuchungen. Untersuchungen, die ihnen keine Erkenntnis bringen können. "Sie ziehen damit eine zusätzliche Sicherheitsleine ein", meint Agrarsprecher Schade. Zum Beispiel Firmen, die Rindfleisch für Babynahrung verarbeiten.

Das Ministerium bestehe darauf, dass die gesetzlichen Überprüfungen von staatlichen Laboren durchgeführt werden - "auch wenn uns die Landwirte vorwerfen, das sei zu teuer." Der Test kostet 50 Euro pro Tier, InVet macht das schon für 30 Euro.

Das Cottbusser Privatlabor hat keine Angst um seinen Ruf, obwohl die schlampigen Tests ausschließlich bei Privatlaboren nachgewiesen wurden. "Wir können eine lückenlose Dokumentation aller durchgeführten Tests vorlegen", sagt Geschäftsführer Mydlak. "Da gibt es keine Unstimmigkeiten." Trotzdem überlegt man auch im Potsdamer Agrarministerium, ob man alle Tests in die staatliche Hand legen sollte. Die Kapazitäten bei den staatlichen Laboren wurden so weit ausgebaut, dass sie auch die Rinder unter 24 Monaten testen könnten.

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