Der Tagesspiegel : Buga-Knospe: Die Kartäusernelken

Simone Leinkauf

Es ist das Schicksal der Nelken, Modeblume zu sein. Als epochenspezifische Symbole erscheinen und verschwinden sie, wechseln ständig ihre Bedeutungen. Der deutsche Name Nelke oder Nägelin wurde ihnen im Mittelalter vermutlich aufgrund der Ähnlichkeit mit der Gestalt der Gewürznelke gegeben. Die Gewürznelken galten lange Zeit als Aphrodisiakum, und dieser Ruf übertrug sich mit dem Namen auch auf die Blumen. So finden sich seit dem Mittelalter auf Brautbildern immer wieder Nelken: Sie galten als Symbol des Verlöbnisses und der Liebe und in diesem Sinne als Verwandte der Rose. Nach einer Zeit des Vergessens kamen sie Ende des 18. Jahrhunderts wieder in Mode, die französischen Royalisten trugen auf dem Weg zum Schafott rote Nelken als Zeichen ihrer Königstreue und Würde. Und seit 1890 ist kaum eine SPD-Veranstaltung, vor allem keine 1.-Mai-Feier ohne rote Nelken denkbar. Anders als die Knopfloch-Nelke ist die Kartäusernelke anspruchslos. Sie hat einen zweijährigen Lebensrhythmus. Die Samen werden von Juni bis Juli ausgesät. Bis Herbst entwickeln sich Jungpflanzen mit Blättern, die Blüten sprießen im folgenden Sommer. Bei guter Pflege blühen die Nelken manchmal auch noch ein bis zwei weitere Jahre.

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