Der Tagesspiegel : Bundesgartenschau: Ein Erfolg ist die Buga auf jeden Fall

Claus-Dieter Steyer

Buga gesehen, Sanssouci erlebt, Potsdam ins Herz geschlossen und nichts bezahlt. Der Pfingstbesuch aus der Provinz zeigte sich mit dem Ausflug zufrieden, zumal das gesparte Eintrittsgeld an den Kassen zum Buga-Park ein komfortables Abendprogramm erlaubte. Dabei war durchaus alles mit rechten Dingen zugegangen. Der Tag verlief nur etwas anders als ursprünglich geplant, denn er ließ mit dem Park im Bornstedter Feld den eigentlichen Schauplatz der Gartenschau aus. Die Freundschaftsinsel mit ihren prachtvollen Stauden, der wieder hergestellte Lustgarten, das renovierte Holländische Viertel und schließlich der große Park Sanssouci reichten einfach als Programm aus. Dennoch sprachen die Gäste voller Anerkennung von der Bundesgartenschau, die die Stadt spürbar verändert habe.

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Die Bundesgartenschau in Potsdam In der offiziellen Statistik der Buga-Gesellschaft tauchen die acht Personen jedoch nicht auf. Sie passierten schließlich nicht die Drehkreuze des großen Parks im Norden der Stadt. Hunderten geht es täglich so. Sie machen sich ihr eigenes Programm und bleiben einfach auf der Freundschaftsinsel, die diesen vermeintlich anrüchigen Namen übrigens schon seit 100 Jahren trägt, in Sanssouci oder in einem anderen der zahlreichen kostenlosen Parks hängen.

Diese Fülle an Attraktionen gerade für Gartenfreunde unterscheidet Potsdam von anderen Gastgeberstädten wie Cottbus, Gelsenkirchen und Magdeburg. In Potsdam als Stadt der Gärten ist der Buga-Park nur eine von vielen Attraktionen, für die allerdings 21 Mark Eintritt zu zahlen sind. Buga-Geschäftsführer Jochen Sandner nutzt diese Tatsache nicht viel. Er soll am Ende der Veranstaltung zwei Millionen verkaufte Eintrittskarten abrechnen. In seiner Euphorie ist ihm sogar der Lapsus passiert, von 2,5 Millionen Gästen zu sprechen. Die wird er bis zum 7. Oktober kaum erreichen. Schon mit den zwei Millionen Besuchern sieht es schlecht aus. Bei Regen und Kühle wie im April, in der ersten Mai-Hälfte oder am Pfingstwochenende zögern die Menschen mit einem Ausflug. Lacht aber die Sonne wie zu Himmelfahrt, strömen die Massen.

Mit der Expo nicht vergleichbar

Obwohl die Besucherzahlen bisher also weit unter den Erwartungen blieben, läuten in Potsdam keine Alarmglocken. Ein Vergleich mit der Expo-Pleite in Hannover wird sowohl im Rathaus also auch in der Buga-Geschäftsführung abgelehnt. Zurecht. Denn die Vorbereitung auf die Buga hat der Stadt so einen Entwicklungsschub gebracht, dass es am Ende tatsächlich auf zehntausend Besucher mehr oder weniger nicht ankommt. Noch vor drei Jahren war an einen neuen Lustgarten, die teilweise Freilegung des Stadtkanals, den Bau des Fortunaportals des verlorenen und nun wieder fast schon greifbaren Stadtschlosses, die Renovierung des Neuen Marktes und des Bassinplatzes und vor allem an einen riesigen Park anstelle eines 250 Jahre alten Militärübungsplatzes in Bornstedt nicht zu denken. Rund zwei Milliarden Mark sind seit 1996 aus öffentlichen und privaten Kassen investiert worden. Ohne Buga wäre dies nicht geschehen. Vor allem aber, und das ist der größte Unterschied zur Expo, hat sich die Stimmung in Potsdam positiv gewandelt.

Das spürt auch der Besucher, der sich nicht auf den Weg zum Bornstedter Park macht, sondern seinen eigenen Buga-Tag mit Freundschaftsinsel, Lustgarten, Holländischen Viertel und Sanssouci erlebt.

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