Der Tagesspiegel : Bunkermordprozess: Verfahren geht in die letzte Runde

Stefan Jacobs

Im "Bunkermord-Prozess" vor dem Potsdamer Landgericht werden voraussichtlich in der nächsten Woche die Urteile gesprochen. Dem 18-jährigen Stephan T. und dem 27-Jährigen Ronny S. wirft die Anklage Mord an ihrer Bekannten Heidi F. (26) und deren dreijähriger Tochter Julia vor. Die Mutter habe sterben müssen, weil sie gedroht hatte, ein früheres Verbrechen der beiden Angeklagten anzuzeigen. Der Mitangeklagte Thomas P. (28) soll bei dem Mord in einem Bunker nahe Brandenburg (Havel) "Schmiere gestanden" haben. Die beiden Hauptangeklagten sollen später auch die Tochter der Frau umgebracht haben.

Der Anwalt von Stephan T. sagte am Rande des gestrigen 9. Verhandlungstages, er werde auf Einweisung seines Mandanten in eine psychiatrische Klinik plädieren. Zugleich rechne er mit einer Jugendstrafe kaum unter den maximal möglichen zehn Jahren. Ein Gutachter hatte T. eine schwere Persönlichkeitsstörung bescheinigt.

In der Verhandlung hatte der 18-Jährige ein düsteres Bild seiner Kindheit gemalt: Seine Mutter verstieß ihn. Als er zehn war, nahm ihn eine Pflegefamilie auf. Dort riss er aus, suchte Kontakt zu seiner leiblichen Mutter. Diese warf ihn hinaus, als er an ihrem Geburtstag mit Blumen vor der Tür stand. Emotional enttäuscht und ständig aggressiv, hielt sich T. vermutlich mit Drogenhandel und Erpressungen über Wasser.

Die Vita des Mitangeklagten Ronny S. verlief weniger problematisch. Der Gutachter stellte fest, dass S. dem Familienleben durch Arbeitswut zu entgehen versuchte. Er sei psychisch labil, leide jedoch an keiner schweren Persönlichkeitsstörung.

Der Mitangeklagte Thomas P. habe sich "extrem von der Tat distanziert". P. sei ein schlichtes, ängstliches Gemüt und zudem Alkoholiker. Die beiden Hauptangeklagten, die sich gegenseitig der Tötung von Heidi F. beschuldigen, könnten wegen gemeinschaftlichen Mordes verurteilt werden.

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