Der Tagesspiegel : Chipfabrik "Communicant": Richter Marquardt will keine Chips

Stefan Jacobs

Der Amtsrichter Christoph Marquardt bereitet die nächsten Schritte gegen den geplanten Bau der Chipfabrik "Communicant" vor. Er wohnt mit seiner Familie in der Frankfurter Gartenstadt, etwa 200 Meter vom künftigen Standort der rund drei Milliarden Mark teuren Fabrik entfernt.

Marquardt, der als Amtsrichter in Eisenhüttenstadt arbeitet, hatte bereits den Bau der Zufahrtsstraße zum künftigen Fabrikgelände verhindern wollen, war damit aber beim Verwaltungsgericht gescheitert. Die Richter verwarfen den Antrag als "nicht hinreichend begründet" und sahen keine nennenswerten Beeinträchtigungen des Anwohners. Für den Fall einer Niederlage hatte Marquardt zuvor zwar Berufung angekündigt. "Ich neige aber dazu, das nicht zu machen", sagte er gestern.

Jetzt schaut der 35-Jährige täglich nach dem Areal, auf dem sich bisher eine Wiese ausbreitet. Sobald - wie geplant - in der kommenden Woche die Baugrube ausgehoben wird, will er per Eilantrag beim Verwaltungsgericht einen Baustopp durchsetzen.

Trotz seiner ersten Niederlage sieht sich Marquardt gut gerüstet für den weiteren Rechtsstreit. Denn ab sofort gehe es direkt um die Fabrik - mit all ihren Risiken und Nebenwirkungen: Geräusche von Lüftungsanlagen, Störfallrisiko, Brummen von Transformatoren, grelle Beleuchtung während der Nacht. Diese Probleme treten zwar erst nach der Bauphase auf. Aber Marquardt will vorsorglich jeden einzelnen Bauabschnitt verhindern, zumal er auch das Genehmigungsverfahren der städtischen Behörden für fehlerhaft hält.

Der Frankfurter Bürgermeister war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er hatte jedoch schon mehrfach versichert, dass die Stadt juristisch korrekt geplant habe.

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