Demonstration : Streit über Polizeieinsatz in Neuruppin

Brandenburger Politiker streiten weiter über den Polizeieinsatz bei der Kundgebung gegen einen Nazi-Aufmarsch in Neuruppin. Christoph Schulze (SPD) fordert "Ruhe und Besonnenheit".

PotsdamWährend Jörg Schönbohm (CDU) das Vorgehen der Beamten verteidigte, erneuerte die Linke-Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann als Betroffene ihre Kritik an dem "übermäßig harten" Vorgehen der Polizei. Zugleich wies Tackmann Vorwürfe von CDU-Fraktionschef Thomas Lunacek zurück, wonach von den Demonstranten Gewalt ausgegangen sei. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Christoph Schulze, verlangte eine Aufklärung des Falls im Innenausschuss des Landtages.

In Neuruppin hatten am Samstag etwa 800 Menschen gegen einen Aufmarsch von rund 50 Rechten demonstriert. Dabei gab es auch eine kurzzeitige Sitzblockade, die von der Polizei aufgelöst wurde. Im Anschluss setzten Polizisten bei einer weiteren Ansammlung von 30 Gegendemonstranten Pfefferspray ein.

Sechs Strafanzeigen gegen Polizisten

Dabei wurden nach Angaben von Augenzeugen mindestens sieben Menschen verletzt, darunter auch die Linke-Politikerin Tackmann. Der Staatsanwaltschaft Neuruppin liegen sechs Strafanzeigen gegen Polizisten wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt vor. Die Polizei hat der Anklagebehörde auch Videoaufzeichnungen für die Untersuchungen übergeben.

Schönbohm betonte: "Es gibt keinen Anlass, Kritik an der Arbeit der Polizei zu üben." Er werde am Donnerstag den Innenausschuss des Landtages über die genauen Erkenntnisse zu dem Vorgang informieren. Der Minister fügte hinzu: "Jeder ist gut beraten, nicht immer gleich der Polizei die Schuld in die Schuhe zu schieben und Vorgänge nicht sofort politisch zu bewerten." Die Sachaufklärung stehe an erster Stelle.

CDU-Fraktion verteidigt Polizeieinsatz

Lunacek sagte, die CDU-Fraktion stehe hinter der Polizei. Wie "ekelhaft" es auch sein mag - die Polizei habe die Aufgabe, das Versammlungsrecht durchzusetzen. Die Kundgebung der Rechtsextremisten sei genehmigt gewesen. Bei der spontanen Blockade hätten Gegendemonstranten Gewalt angewendet. Einige hätten versucht, die Polizisten abzudrängen. Sie hätten dabei auch nach den Beamten getreten. Mit Blick auf Tackmann fügte Lunacek hinzu: "Wie kann es sein, dass sich eine Bundestagsabgeordnete in einer Gruppe aufhält, von der Gewalt ausgeht?".

Tackmann konterte, der Vorwurf sei "absurd". Die Gegendemonstranten seien nicht gewalttätig gewesen. Es habe lediglich ein Gerangel gegeben. Polizisten seien dabei nicht angegriffen worden. Es habe auch keinen Versuch gegeben, die Polizisten abzudrängen. Die Stimmung sei nicht aggressiv gewesen, zumal die Rechtsextremisten in dem Moment des Reizgaseinsatzes gar nicht in Sichtweite der Gegendemonstranten gewesen seien.

Schulze mahnte, Aufklärung stehe vor Parteienstreit. Im Kampf gegen den Rechtsextremismus müssten alle demokratischen Kräfte zusammenarbeiten. Dabei komme es auf "Ruhe und Besonnenheit" an. (mit ddp)

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