Der Tagesspiegel : Der Schlüssel zum Stadtschloss

Am Neuen Markt werden Originalfragmente der Fassade ausgestellt. Tausende Teile sind noch erhalten

Claus-Dieter Steyer

Potsdam - Erstmals können gerettete Originalteile des 1959/60 abgetragenen Potsdamer Stadtschlosses besichtigt werden. Auf dem frei zugänglichen Hof des Kutschstalls auf dem Neuen Markt stehen der mit vielen Figuren geschmückte Dreiecksgiebel des Theaterflügels, zwei Säulen- und Pilasterfragmente sowie Teile von Figuren vom Dach. Dort können sie jederzeit besichtigt werden. „Sie sollen Lust auf den Wiederaufbau des Schlosses machen“, sagte Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) bei der Eröffnung. „Es ist erstaunlich, welche Fülle von originalen Elementen erhalten geblieben ist.“ Die Rettung habe schon kurz nach der Zerstörung des Schlosses im März 1945 begonnen, als Skulpturen und Reliefs ins Depot des Stadtmuseums gekommen seien. Nach der Sprengung der Gebäudereste zu DDR-Zeiten hätten Denkmalschützer Schmuckelemente bewahrt.

Jetzt befinden sich in den Depots der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten rund 600 große Fragmente. Das Potsdam-Museum bewahrt weitere 2000 kleinere auf. Deren Zahl hat sich seit Mai dieses Jahres sogar noch erhöht: Nach dem Landtagsbeschluss, bis 2011 ein neues Plenargebäude in Form des historischen Stadtschlosses zu bauen, suchten viele Potsdamer Einwohner in ihren Gärten, Kellern und Dachböden nach Teilen und übergaben sie der Stiftung. „Es kam seitdem zu wunderbaren Erlebnissen“, erzählte Saskia Hüneke, Kustodin der Skulpturensammlung der Schlösserstiftung. „Wir erhielten von einem Bürger einen Oberteil einer Skulptur mit Kopf und Brust zurück. Das passende Unterteil fanden wir in unserem Depot, so dass wir jetzt eine komplette Figur besitzen.“ Diese erleichtere die Rekonstruktion der fehlenden Skulpturen wesentlich.

Noch ungeklärt ist, ob die aufbewahrten Originalteile wie bei der Dresdner Frauenkirche in die Fassade des Stadtschlosses integriert werden. „Das entscheiden wir nach den Architektenentwürfen“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs. Bisher verliefen alle Vorbereitungen planmäßig.

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