Der Tagesspiegel : Die die Kirche im Dorf lassen

Eine Potsdamer Bürgerinitiative hat viel auf die Beine gestellt, um das Ensemble am Neuendorfer Anger zu retten

Simone Leinkauf

Babelsberg. Am Anfang stand ein Zeitungsartikel: Roland Schulze las von dem Antrag der Potsdamer Theologin und grünen Stadtverordneten Gisela Opitz beim Bauausschuss, um Geld für die Sicherung der Kirche am Neuendorfer Anger zu bekommen. Rund 10000 Mark fehlten 1998, um die Kirchenruine im ältesten Babelsberger Siedlungsgebiet zu sichern. Der Bauausschuss lehnte aufgrund der katastrophalen Finanzlage der Stadt ab, und Schulze fühlte sich in seiner Eigenschaft als Inhaber einer Firma für Baudenkmalpflege angesprochen.

10000 Mark zur Sicherung der Ruine sollten wohl möglich sein. Ein Brief ging an Frau Opitz – und kurz darauf wurde eine Rüstung gestellt, um die Mauerkrone zu sichern. Während Roland Schulze sich um die ersten baulichen Maßnahmen zur Rettung der äußeren Hülle kümmerte, gründete Gisela Opitz den Förderverein „Alte Neuendorfer Kirche und Neuendorfer Anger e.V.“. Und was vor vier Jahren keiner für möglich gehalten hätte, deutete sich auf dem Richtfest am Neuendorfer Anger am 8. November an: Nächstes Jahr zu Weihnachten wird der Achteckbau wieder erstrahlen. Doch damit ist der Förderverein nicht am Ende seiner Vorhaben angekommen. Derzeit kümmert man sich um die weitere Finanzierung der Renovierung und plant, den Glockenturm der Bethlehemkirche neben dem Oktogon wieder aufzubauen. Das alte Dreier-Geläut ist schon wieder beisammen. Schaut man sich die gelungene Gestaltung des Neuendorfer Angers an, ist eine Befürchtung nicht von der Hand zu weisen: Ein Glockenturm in der Größe des früheren Turmes der Bethlehemkirche würde die kleine Neuendorfer Kirche erdrücken, die Schinkelschüler Christian Heinrich Ziller nach einer Skizze Friedrich Wilhelm IV. entworfen hatte. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche eröffnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel sie, sollte in den 70er Jahren einer Straße weichen. Doch dagegen revoltierten die Bürger. Zum Glück, wie man heute sagen kann.

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