Der Tagesspiegel : Die Goldfischerin vom Beetzsee

Kanutin Birgit Fischer lebt und trainiert in Bollmannsruh. Dort wartet man schon auf ihre Rückkehr

Thorsten Metzner

„Natürlich sind wir alle mächtig stolz. Es ist doch unsere berühmteste Einwohnerin“, erzählt Christine Kühne, die parteilose Bürgermeisterin von Päwesin. Denn hier, in diesem 570-Seelen-Ort nahe der Stadt Brandenburg, im schon dem Namen nach malerischen Ortsteil Bollmannsruh, lebt seit einigen Jahren Deutschlands erfolgreichste Olympionikin: Birgit Fischer, 42 Jahre, die jetzt in Athen erneut eine Gold- und eine Silbermedaille holte. Hier hat sie sich in den letzten Jahren auf Olympia vorbereitet, auf dem Beetzsee, der direkt an das Familiengrundstück grenzt. Sie braucht, so hat Fischer einmal erzählt, „die Paddel nur unter die Arme zu nehmen“.

Bürgermeisterin Kühne legt allerdings auch großen Wert darauf, dass die Olympia-Legende keine Brandenburgerin sei. Der Hinweis hat seine Gründe: Nicht nur, weil das kleine Päwesin, erstmals erwähnt 1297, seine Selbstständigkeit sogar bei der jüngsten Gemeindegebietsreform behaupten konnte. Sondern, weil es gewisse Tendenzen der großen Nachbarstadt Brandenburg gebe, so erzählt Kühne, „Birgit Fischer zu vereinnahmen“. Und das finden die lokalpatriotischen Päwesiner natürlich gar „nicht fair“, wie auch Frank Brademann sagt. Er ist der Wirt der „Bauernstube“ im Ort, in der es leckeren selbst gebackenen Kuchen gibt. Vor allem aber ist er der Ortschronist von Päwesin. Natürlich werde Birgit Fischer in der Ortschronik gebührend gewürdigt, sagt Brademann. „Wir sammeln alle Zeitungsausschnitte. Alles kommt rein.“ Schließlich gebe es ja nicht so viele Berühmtheiten hier. Da wäre höchstens noch der Rudi Schuricke. „Sie wissen schon, der Sänger: Wenn bei Capri die rote Sonne …“ Vielleicht auch noch die neue buddistische Schule, die vor eineinhalb Jahren hier eröffnet hat. „Zusammen mit der weithin bekannten Kanutin“, findet Brademann, „sind wir dann ja doch schon ein internationaler Ort.“

Vielleicht ergibt sich nach Fischers Rückkehr aus Athen, so wünscht sich der Ortschronist, ja mal eine Gelegenheit, die berühmte Olympiasiegerin persönlich kennen zu lernen. Oder um ein Autogramm für die Chronik zu bitten. Denn oft sei Birgit Fischer im Ort nicht unterwegs, wofür man in Päwesin natürlich volles Verständnis habe. „Sie hat sehr viel zu tun.“ Schließlich trainiert die 42-jährige Spitzensportlerin nicht nur auf dem Beetzsee, sie betreibt einige Kilometer weiter im Hotel „Seehof“ außerdem die Firma „Kanufisch“, bietet Trainingskurse und Seminare für Manager an.

Ein Problem haben die Päwesiner allerdings noch. Sie grübeln und grübeln, wie sie Fischer empfangen und ehren wollen. „Wir wissen es noch nicht genau“, bestätigt Bürgermeisterin Kühne. Da müssen sie allerdings aufpassen. Denn so, wie man die Brandenburger Stadtväter kennt, bereiten die längst einen großen Empfang für Birgit Fischer vor.

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