Digitalisierung : Der Bilderschatz von Wünsdorf

Im Landesamt für Denkmalpflege in Wünsdorf lagern etwa 390.000 Dias und rund 32.000 Schwarz-Weiß-Negativ Filme sowie Tausende Bild-Karteien. Jetzt sollen die Millionen Fotodokumente digitalisiert werden. Doch es gibt Probleme.

Andreas Wilhelm

WünsdorfAllein die Anzahl der Dias, die in den Regalen, Schubladen und Kisten lagern, schätzt Detlef Sommer auf 390 000. Sommer ist Fotograf und arbeitet seit 40 Jahren für das Landesamt für Denkmalpflege in Wünsdorf. Seine Aufgabe: Alles, was im und auf brandenburgischem Boden gefunden wird und von archäologischem Wert ist, muss er fotografieren und katalogisieren. 80 Prozent seiner Arbeit finden im Studio und am Computer statt, sagt er. Den Rest der Zeit fährt er mit der Kamera durchs Land, auf Baustellen, wo etwas entdeckt wurde. Oder er lichtet Baudenkmale wie Hünengräber oder Burgwälle ab.

In den kommenden Jahren steht die Abteilung, in der Sommer arbeitet, vor einem gewaltigen Umbruch: Alles, was als Negativ, Dia oder Papierbild vorliegt, muss digitalisiert und gespeichert werden. Neben den Dias, die oft von Fachleuten angefragt werden, liegen rund 32 000 Schwarz-Weiß-Negativ-Filme in den Schränken. Jeder Film hat 30 Einzelbilder. Hinzu kommen Tausende Bild-Karteien. Die Zahl der Einzelmotive reicht weit über eine Million.

Es gebe bereits gute Verfahren, Dias, Negative und Papierfotos schnell und farbecht einzuscannen, erklärt Franz Schopper, Landesarchäologe in Wünsdorf. Aber wohin mit den Datenmengen? „Wir haben noch keinen durchgängigen Standard gefunden“, sagt er. Darüber wird auf Fachtagungen im Verband der Landesarchäologen diskutiert. Experten warnen, dass CDs selbst bei günstigsten Bedingungen gerade mal 30 Jahre halten. Festplatten dagegen sind anfällig für Erschütterung und Magnetismus. Im Vergleich dazu scheinen die antiken Aufnahmemethoden unverwüstlich: „Das älteste von uns katalogisierte Bild stammt aus den 20er-Jahren“, sagt Fotograf Sommer.

Doch die Uhr tickt. Niemand weiß, wie die chemischen Verbindungen der Materialien in 20 oder 30 Jahren reagieren. Zudem bleichen die Dias langsam aus. „Wir möchten natürlich, dass die Bilder farbecht bleiben“, sagt Landesarchäologe Schopper. Wahrscheinlich werde es darauf hinauslaufen, dass die Daten in bestimmten Intervallen digital dupliziert werden, meint Schopper – damit man auch in 100 und 200 Jahren noch Material für Museen, Grabungsfirmen und Forscher bereithalten kann.

Noch bevor die Wissenschaftler das geeignete Speichermedium gefunden haben, tut sich aber ein weiteres Problem auf: Wer soll die mehr als eine Million Bilder digitalisieren? In der archäologischen Abteilung des Landesamtes sind Detlef Sommer und seine Frau Karin die einzigen Fachleute. Sommer geht in drei Jahren in Pension, die Stelle seiner Frau läuft schon Ende 2009 aus. „Die Personaldecke ist jetzt schon sehr dünn“, umschreibt es Schopper. In fünf bis zehn Jahren könne dies zu einem ernsthaften Problem der Archäologie werden. 

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