Der Tagesspiegel : Dreharbeiten zu "Der Pianist": Where is Beelitz?

Esther Kogelboom

Ein großer Coup für die Babelsberger Filmstudios: Ab dem 19. Februar starten auf dem Studiogelände die Dreharbeiten zu "Der Pianist". Das ist bereits das dritte internationale Großprojekt in Folge nach "Taking sides" und dem Stalingrad-Epos "Enemy at the gates". Der Kriegsfilm hat die Berlinale eröffnet. Verfilmt werden jetzt die Erinnerungen des polnischen Pianisten Wladyslaw Szpilmann, der mit seiner Familie von den Nationalsozialisten in das Warschauer Getto gesperrt wurde. Szpilmann konnte sich jedoch mit Hilfe eines musikliebenden Offiziers in den Ruinen des Gettos verstecken und so einer Deportation ins Konzentrationslager entgehen.

Die Regie zu dem insgesamt 38 Millionen Euro teuren Projekt, das zum größten Teil an polnischen Originalschauplätzen realisiert wird, führt Roman Polanski. Polanski, der selbst in seiner Jugend vor den Nationalsozialisten flüchten musste, betonte bei einer Pressekonferenz am Rande der Berlinale in Babelsberg, er habe schon immer einen Film über diese Zeit drehen wollen. Doch erst die Geschichte des hochbegabten Klavierspielers Wladyslaw Szpilmann habe ihn restlos überzeugen können: "Das Buch ist voller Hoffnung und Optimismus", erklärte Roman Polanski, der von vielen Journalisten aus aller Herren Länder umlagert wurde. "Ich traf Szpilmann, als er mit seinem Quintett die Welt bereiste. Damals habe ich mir noch nicht vorstellen können, dass ich jemals seine Geschichte verfilmen würde." Seine eigene Vita zu verfilmen, kann sich Polanski nicht vorstellen: "Das würde mir zu nahe gehen." Teile des Films werden auch in Beelitz und Jüterborg gedreht. Das allerdings schien Polanski noch nicht recht begriffen zu haben. "Beelitz", antwortete er auf die Frage einer Journalistin, "where is Beelitz?"

Als Großkulisse in Babelsberg wird unter anderem die "Berliner Straße" genutzt, in der bereits Filme wie "Sonnenallee" und "Der Tunnel" gedreht wurden. Die Original-Autobiografie Szpilmanns, der im Juli vergangenen Jahres verstarb, ist unter dem Titel "Das wunderbare Überleben" erschienen.

Die Rolle des Pianisten spielt der US-amerikanische Nachwuchsschauspielers Adrien Brody ("Bread and Roses"). Die Suche nach dem passenden Hauptdarsteller, so Polanski, sei nicht einfach gewesen. 1 200 Schauspieler habe er gecastet. Den rettenden Offizier verkörpert der deutsche Schauspieler Thomas Kretschmann, bekannt aus Joseph Vilsmaiers "Stalingrad" und "U 571" mit Harvey Keitel. In weiteren Rollen der Koproduktion mit Frankreich, England, Polen und Deutschland werden Frank Finlay und Maureen Lipman zu sehen sein. Das Produktions-Design stammt von Allan Starski, der für "Schindlers Liste" einen Oscar bekam. Auch Kostümbildnerin Anna Sheppard wurde für den Spielberg-Film für den Oscar nominiert. Mitproduziert wird "Der Pianist" vom Geschäftsführer der Babelsberg GmbH, Rainer Schaper. Schaper ist verantwortlich für alle Bereiche der Babelsberger Filmproduktion.

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