Der Tagesspiegel : Ein Besuch bei der Truppe

Zu Kriegsbeginn war Schönbohm bei der Bundeswehr – rein zufällig

-

Geltow. Wie schnell sich die Dimensionen ändern können. Bei der Planung des Termins ahnte noch niemand, dass Jörg Schönbohm ausgerechnet am Tag des Kriegsbeginns eine BundeswehrKaserne besuchen würde. Nicht einmal der CDU-Politiker, Innenminister und Bundeswehr-General a.D. selbst. „Es geht bei diesem Besuch nicht um den Irak“, sagt Schönbohm nach seiner Ankunft auf dem Gelände des schwer bewachten „Einsatzführungskommandos“ der Bundeswehr in Geltow am Donnerstagnachmittag. Dennoch beschäftigte der Krieg natürlich sowohl den Innenminister als auch die Soldaten. Bei der Begrüßung fragt Schönbohm einen Bundeswehr-Juristen: „Mit der Frage, ob der Krieg rechtlich einwandfrei ist, brauchen Sie sich aber nicht zu befassen?“ Der Jurist verneint. „God bless you!“, erwidert Schönbohm.

Auf seine sonst manchmal koalitionsgefährdende Rhetorik verzichtet Schönbohm an diesem Tag: Zwar halte er die Politik der Bundesregierung für falsch, aber jetzt sei nicht die Zeit zum Streiten. Und er habe „natürlich“ Verständnis für die Friedensdemonstranten. Zur Sicherheitslage in Brandenburg hat er wenig Neues zu berichten: Man wisse nichts Konkretes, aber Polizei und Gesundheitsbehörden seien auf Zwischenfälle vorbereitet. Dann zieht sich der Minister zum Gespräch mit dem Chef-Koordinator der Afghanistan-Schutztruppe zurück.

Neben dem Einsatz der internationalen ISAF-Schutztruppe werden von Geltow aus alle Auslandseinsätze der Bundeswehr koordiniert – auch die Aktivitäten der etwa 90 deutschen Soldaten in Kuwait, in deren Nähe am Vormittag mehrere irakische Raketen einschlugen. Die Militärs in Geltow brauchten nicht zu reagieren, denn die Soldaten in Kuwait gaben Entwarnung: Es gab keine Opfer, und es wurden weder biologische noch chemische Kampfstoffe eingesetzt. Seit einer Woche fahren die Deutschen zwei Mal täglich mit Spürpanzern durch Kuwait. Irakisches Gebiet würden sie keinesfalls betreten, sagt ein Armeesprecher. obs

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben