Der Tagesspiegel : Ein T-Shirt für den Präsidenten

Horst Köhler besuchte den Dom und eine Grundschule in Brandenburg/Havel

Thorsten Metzner

Brandenburg/Havel - Selbst Kinder können diplomatisch sein. Deshalb stellt Josefine, 11 Jahre, die den mit Bauchkribbeln erwarteten Gast für die Schülerzeitung „Domkids“ interviewt, bewusst keine Fragen zu den Kapriolen der Berliner Politik, zu Gerhard Schröder oder Angela Merkel oder dem Ausgang der Bundestagswahl, obwohl die Klasse im Unterricht durchaus rege darüber debattiert, wie die Lehrerin erzählt. Stattdessen will Josefine wissen. ob Horst Köhler gern zur Schule gegangen sei? „Mal ja, mal nein“, antwortet der Bundespräsident verschmitzt, und erzählt von seinen Hobbys: „Ich mache Sport. Ich halte mich fit. Ich gehe ins Theater, in die Oper. Außerdem mag ich Skifahren und Hochgebirgswandern.“ Das T-Shirt in der Größe L mit den 135 Autogrammen der Schüler der evangelischen Grundschule in Brandenburg an der Havel, das ihm als Geschenk überreicht wird, werde er „beim Joggen tragen“.

Es ist offensichtlich: Horst Köhler fühlt sich wohl bei seinem Ausflug ins Land Brandenburg jenseits der Tagespolitik und der Berliner Turbulenzen. Er genießt den Besuch im ehrwürdigen Domstift zu Brandenburg/Havel, jenem Areal mit einer tausendjährigen Geschichte, zu dem heute nicht nur die berühmte Kirche, die „Wiege der Mark“, sondern auch eine evangelische Grundschule gehören. Ein Dom-Gymnasium und ein Kindergarten sollen im nächsten Jahr folgen – was er befördern will, wie Köhler sagt. „Ich bin auch gekommen, um dabei mitzuhelfen. Dies ist ein wichtiger Ort für die Christen in Deutschland.“ Wie er sich kindergerechte Politik vorstelle, fragt Josefine. „Das Wichtigste ist, dass ihr darauf vertrauen könnt: Jeder hat eine Chance zum Lernen, egal, ob eure Eltern besser gestellt sind oder nicht, ob sie in der Stadt oder auf dem Land leben“, antwortet Köhler. „Wenn wir das schaffen, haben wir schon viel Gerechtigkeit.“ Nicken ringsum.

Zuvor, in einer Andacht im Brandenburger Dom war von Bischof Wolfgang Huber hervorgehoben worden, wie offen der Bundespräsident seinen christlichen Glauben lebe. „Was in anderen Ländern längst üblich ist, ist durch Sie nach Deutschland zurückgekehrt: Der Segen Gottes ist eine öffentliche Kategorie.“

Manchmal freilich gehen weltliche Fragen und Glaubensfragen auch ganz nahtlos ineinander über, wie Köhler im Domstift erlebt: Denn hier will man unorthodoxe Wege gehen, um zusätzliche Gelder für die Sanierung des Baudenkmals zu erschließen, wie Kurator Helmut Reihlen erläutert. „Wir denken daran, kirchengemäße neue Einnahmequellen zu erschließen.“ Er nennt dann, was Köhler aufmerksam registriert, „Stromerzeugung durch Windräder und Photovoltaik“.

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