Der Tagesspiegel : Eine Frage der Autorität

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Betrifft: „Sex-Skandale: Papst greift ein“ vom 23. April 2002

Jetzt hat der Papst also doch noch das wohl heikelste Thema der letzten Jahre in der Kirche angefasst. Die Rüge an die Adresse der Kardinäle war überfällig und auch notwendig. Behoben ist damit allerdings noch überhaupt nichts.

Während man Konsequenzen und sogar eine strafrechtliche Verfolgung der Täter in der Kutte fordert und sogar das Verhältnis der katholischen Kirche zur Sexualität in den Mittelpunkt der Diskussion rückt, bleibt das Kernproblem doch eklatant ausgespart. Denn weder die harte Bestrafung der Täter noch die unterdrückten Triebe der Priester und Kardinäle sind an der Misere hauptsächlich Schuld, sondern der Umgang des Klerus mit dem Gehorsam. Denn wie schon allgemein bekannt ist,werden fast alle Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffe aus dem nahen Kreis der Opfer verübt. Häufig Väter, Mütter, Onkel, Ärzte. Deren Autorität ist der Schlüssel, um bei Menschen mit schwachem Selbstwertgefühl oder auch bei Kindern die Wand aus Scham und Abwehr zu durchstoßen. In der Gestalt eines Geistlichen als Vergewaltiger ist für die Opfer die Wahrnehmung der bösen Absichten noch potenziert schwieriger.

Marc Reznicek, Berlin

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