ERFOLGE : Die Besten kommen aus Babelsberg

Champagner-Stimmung im Filmpark: Produktionen aus Berlin-Brandenburg haben bei den Festspielen in Cannes abgeräumt.

Udo Badelt
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Von guten Nachrichten lässt man sich gerne im Urlaub stören: Kirsten Niehuus, Geschäftsführerin des Medienboards Berlin-Brandenburg, erreichten schon Sonntagmittag mehrere SMS. „Quentin Tarantino ist zurück nach Cannes geflogen worden“, stand zum Beispiel drin. Da war klar, dass ein großer deutscher Erfolg an der Croisette bevorstand. Am Abend dann die Bestätigung: Der in Brandenburg gedrehte Film „Das weiße Band“ von Michael Haneke bekommt die Goldene Palme, Christoph Waltz wird als bester Darsteller ausgezeichnet für seine Rolle des SS-Offiziers Hans Landa in Tarantinos Film „Inglourious Basterds“. Beide Streifen hat das Medienboard mit je 600 000 Euro gefördert. Damit nicht genug: Die ebenfalls vom Medienboard mit 180 000 Euro geförderte deutsch-israelische Koproduktion Ajami gewinnt einen Sonderpreis. „Wir waren euphorisch“, erzählt Niehuus, „und stießen mit Champagner an.“

Für den Filmstandort Berlin-Brandenburg ist 2009 ein großes Jahr. Erst im Februar gewannen zwei geförderte Filme einen Oscar: „Der Vorleser“ (mit Kate Winslet als bester Darstellerin) und der Kurzfilm „Spielzeugland“ von Jochen Alexander Freydank. Auch in den Jahren zuvor haben Filme aus Berlin und Brandenburg Oscars erhalten, darunter 2007 „Das Leben der Anderen“. Und jetzt Cannes: Niehuus spricht vom „Glück, dass hier so viele hochkarätige Filme entstehen“. Aber noch mehr als mit Glück dürfte der Erfolg mit harter Arbeit und dem Ausbau einer leistungsfähigen Infrastruktur zu tun haben, ohne die kein Film die Chance hat, jemals das Licht der Kinoleinwand zu erblicken. Förderung ist dabei ein wesentlicher Faktor. 2008 haben die Länder Berlin und Brandenburg die Mittel für das Medienboard um eine Million Euro erhöht, dieses Jahr noch mal um eine Million. Niehuus spricht vom „wichtigsten deutschen Filmstandort“, „made in Berlin-Brandenburg“ gelte inzwischen weltweit als Gütesiegel.

Bester Stimmung ist man natürlich auch bei der Studio Babelsberg AG. „Inglourious Basterds“ ist zu 100 Prozent eine Produktion der Tochterfirma Zehnte Babelsberg Film, Vorstandsmitglied und Mehrheitsaktionär Christoph Fisser ist außerdem Koproduzent. Der Film wurde größtenteils dort in den Studios und an einigen Schauplätzen in Berlin und Spandau gedreht. Die Filmcrew kommt ebenfalls aus der Region. Rund 350 Mitarbeiter waren in den vergangenen Monaten projektbezogen eingestellt worden. Eine Filmcrew ist fast wie eine Regierung aufgebaut: Es gibt Ministerien und Unterabteilungen für die Drehortsuche, den Transport, die Kulissen oder die Kostüme. Die Initiative zur Zusammenarbeit ging von Quentin Tarantino aus. „Er kam vergangenen Oktober zu uns und meinte: Ich will hier drehen“, erzählt Unternehmenssprecher Eike Wolf. Der Amerikaner sei ein großer Fan der Babelsberger Tradition und der Regisseure, die hier gearbeitet haben: Josef von Sternberg, Georg Wilhelm Papst, Fritz Lang. „Tarantino wollte seinen Film in Cannes zeigen. Wir dachten erst: Okay, 2010. Aber er meinte 2009! Das war aber kein Problem für uns. Innerhalb von drei Wochen haben wir die gesamte Produktion hochgefahren und die Crew zusammengestellt. Das muss man eben können.“

„Inglourious Basterds“ ist ein Märchen beziehungsweise eine Nazi-Farce, in der 1941 zwei Gruppen von Rebellen unabhängig voneinander Hitler (gespielt von Martin Wuttke) und die gesamte Naziführung im besetzten Frankreich umbringen wollen und das auch schaffen. Tarantino bestand auf deutschsprachigen Darstellern, und so sind jetzt Daniel Brühl, August Diehl und Till Schweiger an der Seite von US-Stars wie Brad Pitt und Samuel L. Jackson zu sehen. Es ist ein Film, der vom Sprachwitz und dem Charakter der unterschiedlichen Dialekte der besetzten Länder lebt. Christoph Waltz wird vor allem gelobt für seine Fähigkeit, nahtlos zwischen den verschiedenen Sprachen hin- und herwechseln zu können. „Als der Film in Cannes erstmals gezeigt wurde, kamen wir zu spät ins Kino, so groß war das Interesse“, erzählt Koproduzent Christoph Fisser. „Der rote Teppich war übervoll, und Tarantino tanzte dort auch noch. Als das Licht nach der Vorführung wieder anging, hat es 20 Minuten Applaus gegeben.“ Gefeiert werden soll in Babelsberg jetzt aber erst mal nicht. Die Crewmitarbeiter sind bereits wieder in alle Welt verstreut. „Aber wenn der Film im August in Berlin anläuft“, verspricht Fisser, „dann wird es sicher eine Premierenfeier geben.“

Inglourious Basterds (Regie: Quentin Tarantino; hier: Daniel Brühl) wurde vom Filmstudio Babelsberg produziert und auch dort gedreht.

Das weiße Band (Regie: Michael Haneke), Gewinner der Goldenen Palme in Cannes, ist im brandenburgischen Dorf Netzow gedreht worden.

Der Vorleser, Oscar-Gewinner 2008, wurde in Babelsberg produziert.

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