Der Tagesspiegel : Ermittler beim 1. FC Energie - und die Frage: Was wird hier gespielt?

Sandra Dassler

Von dem Feiertag war gestern beim Fußball-Bundesligisten FC Energie Cottbus nichts zu spüren. Während die Spieler mit Coach Eduard Geyer trainierten, um Sonntag die Niederlagenserie der letzten Wochen zu beenden, kursierten unter den Fans die wildesten Gerüchte über die Ursachen der Ermittlungen gegen Präsidiumsmitglieder des Vereins.

Am Mittwoch hatte die Cottbuser Staatsanwaltschaft, wie bereits berichtet, die Geschäftsräume des FCE und die Wohnungen von Geschäftsführer Klaus Stabach und Präsident Dieter Krein durchsuchen lassen. Zum Grund der Razzia wollte sich die Sprecherin der Cottbuser Staatsanwaltschaft, Petra Hertwig, auch gestern nicht äußern. "Wir haben in insgesamt vier Bundesländern Durchsuchungen durchgeführt, Unterlagen und Computer beschlagnahmt. Noch ist die Auswertung nicht abgeschlossen - insofern können wir zu den Vorwürfen und zum Stand der Ermittlungen noch nicht Stellung nehmen", sagte sie. Für den Sprecher des FC Energie, Ronny Gersch, ist das eine höchst unbefriedigende Situation: "Uns ist ja selbst daran gelegen, dass die Anschuldigungen auf den Tisch kommen und wir dazu Stellung nehmen können." Inzwischen verdichten sich die Hinweise, dass die Ermittlungen mit verschiedenen "finanziellen Unregelmäßigkeiten" im Verein zusammenhängen. So soll der ehemalige FCE-Spieler Kevin McKenna im März dieses Jahres zum schottischen Erstliga-Verein "Hearts of Midlothian" gewechselt sein - nach Aussagen von Energie-Managern für 500 000 Mark. Die Schotten wollen aber 900 000 Mark bezahlt haben. Für gänzliche Verwirrung sorgte eine am Donnerstag öffentlich gewordene Freigabe-Erklärung, in der Manager Stabach und Präsident Krein unterschrieben, dass die Ablöse-Summe 1,8 Millionen Mark netto betrage. Ob es auch beim Umbau von VIP-Räumen und im Zusammenhang mit dem Hausbau von Stabach zu ominösen Geldtranfers kam, blieb gestern ebenso Spekulation wie die Frage, ob Differenz-Beträge auf schwarze Konten oder in private Taschen geflossen sind.

Die meisten Fans und Sponsoren von Energie können sich nicht vorstellen, dass sich die Manager selbst bereichert haben. "Vielleicht haben die etwas Geld sozusagen als Reserve zurückgelegt", vermutet ein Cottbuser Unternehmer. Wie er warten momentan alle auf eine Erklärung der Cottbuser Staatsanwaltschaft - spätestens am Freitag, versprach Petra Hertwig, soll sie veröffentlicht werden.

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