Der Tagesspiegel : Flammen loderten über 100 Meter hoch

Größter Einsatz der Feuerwehr seit Jahrzehnten: Mehr als 1000 Helfer bei Brand in Reifenlager

Werner Schmidt

Wie Frühnebel liegt der beißende Qualm zwischen den Bäumen am Adlergestell in Köpenick. Eine leichte Brise weht Sonntagfrüh den Rauch vom brennenden Reifenlager hinein in den Forst. Es stinkt nach verbranntem Gummi und Plastik. Die Straße ist voll gestellt mit Löschfahrzeugen. Seit Mitternacht bekämpft die Berliner Feuerwehr auf dem Gelände des insolventen Reifenlagers Schmöckwitz den größten Brand der Nachkriegszeit. Feuerwehrchef Albrecht Broemme sagt fast ehrfurchtsvoll: „Das ist das größte Feuer, das ich in meinem Leben gesehen habe.“ Er ist erschöpft. Seit zwölf Stunden ist er auf den Beinen. Erst am späten Sonntagabend sind die letzten Flammen gelöscht, nur Qualm steigt weiter auf. Bis Dienstag werden Beamte noch rund um die Uhr Brandwache halten.

Als Branddirektor Broemme gegen Mitternacht eingetroffen war, loderten die Flammen auf dem Gelände der ehemaligen DDR-Reifenfirma Pneumant noch über 100 Meter hoch in den Himmel. Mit viel Wasser und Schaum konnte die Feuerwehr verhindern, dass sie auf den ausgetrockneten Wald übergreifen. Gestern nachmittag waren immer noch bis zu 500 Feuerwehrmänner und Helfer im Einsatz, darunter viele von freiwilligen Wehren, auch vom Technischen Hilfswerk und Arbeiter-Samariter- Bund. Insgesamt waren es mehr als 1000 Einsatzkräfte. Verletzt wurde niemand.

Ein Mitglied des Wassersportvereins Schmöckwitz, der 41 Jahre alte Andreas Matlinski, hatte das Feuer gegen Mitternacht entdeckt: „Ich kam vom Nachtsegeln und wollte eigentlich ins Bett“, berichtet er. Dann ging er aber doch noch ins Vereinsheim, auf dem Weg dahin roch er den Brand. Mit einem Vereinskameraden lief er Richtung Adlergestell – sah die ersten Flammen und rief die Feuerwehr.

Als die Löschmannschaften eintrafen, brannte ein aus tausenden von Lastwagenreifen aufgeschichteter Haufen schon auf etwa 100 Quadratmetern, sagte Albrecht Broemme. Und das Feuer dehnte sich aus, bald stand der gesamte Reifenberg – fünf Meter hoch, 6000 Quadratmeter groß – in Flammen. „Wenn Reifen brennen, dann hilft nur Schaum“, sagte Broemme. Und hier wurde viel Schaum gebraucht – viel mehr, als die Berliner Feuerwehr auf Lager hat. Schaummittel wurden angefordert: bei der Hamburger Feuerwehr, der Leipziger Feuerwehr, der Flughafenfeuerwehr, auch bei der Betriebsfeuerwehr des BASF-Werks im brandenburgischen Schwarzheide. Aber es dauerte natürlich, bis die Hilfe eintraf. Zugleich hatten die Berliner Feuerwehrleute mit erheblichen Problemen bei der Wasserversorgung zu kämpfen. Zur etwa 500 Meter entfernten Dahme wurden Schläuche durch den Wald gelegt, drei Pumpen ratterten, jede von ihnen förderte 1,2 Kubikmeter Wasser pro Minute – aber das reichte nicht, um genügend Schaum zu produzieren. Zwei Löschboote mussten kommen und zusätzliches Wasser pumpen. Zehn weiße und rote Schläuche schlängelten sich den Waldweg entlang – insgesamt etwa sechs Kilometer lang.

Wegen der Qualmwolke und einer möglichen Gefahr für den Flugverkehr wurde vorsorglich der Flughafen Schönefeld informiert. Eine Umleitung von Flügen sei aber nicht notwendig gewesen, sagte eine Sprecherin. Das Umweltamt Treptow-Köpenick stellte so genannte „Reinsanddosen“ auf, die den Ruß-Niederschlag auffangen, der analysiert werden soll. Eine Gefahr für Anlieger habe aber nicht bestanden, sagte Broemme. Der Rauch habe sich schnell verteilt. Partikel verbrannten Gummis seien harmlos und könnten problemlos abgewaschen werden.

Insgesamt 60 Tonnen Schaum seien versprüht worden, sagte Feuerwehrchef Broemme. Über einen bisher angeblich nicht bekannten Abwasserkanal floss ein Teil des Löschwassers zurück in die Dahme und wurde durch Ölsperren aufgefangen. Der Kanal sei auf keiner Karte der Wasserwerke verzeichnet, kritisierte Broemme. Die Schmöckwitzer Wasserfreunde wundert das: „Als die Firma Pneumant Mitte der 80er ihr Gelände erweiterte, ist der Kanal als Regenwasserkanal angelegt worden. Seither ist er bekannt.“

Bereits 2004 hatte es auf dem Gelände gebrannt, betroffen war damals eine andere Reifenfirma. Zur Ursache des gestrigen Brandes sagte Broemme nur: „Reifen fangen nicht von allein an zu brennen.“

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