Der Tagesspiegel : Frankfurter Chipfabrik: Deutsche Bank engagiert sich

M. Mara / C.-D. Steyer

Erleichterung bei der Landesregierung: Die Deutsche Bank AG wird ab sofort die weltweiten Verhandlungen zur Finanzierung der in Frankfurt (Oder) geplanten Chipfabrik führen. Sie wird sich außerdem selbst an dem Drei-Milliarden-Projekt beteiligen. Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß (CDU) sprach von einem "weiteren Meilenstein" für die Chipfabrik, die die neugegründete Communicant AG bauen und betreiben will. Das Engagement der Deutschen Bank werde dazu beitragen, dass die Chipfabrik wie geplant 2003 fertiggestellt werden könne, so Fürniß.

Auch die Betreibergesellschaft Communicant - neben dem größten US-Chiphersteller Intel ist das Frankfurter Institut für Halbleiterphysik (IHP) daran beteiligt - erwartet ein schnelleres Vorankommen bei den schwierigen Finanzierungsverhandlungen: Die Deutsche Bank habe mit ihrer Kompetenz sowie ihrem Netzwerk und ihren langjährigen Erfahrungen auf internationalen Kapitalmärkten "die besten Voraussetzungen, um uns beim Erreichen unserer finanziellen Ziele zu unterstützen", erklärte Communicant-Geschäftsführer Klaus Wiemer in einer Pressemitteilung. Die Deutsche Bank selbst sagte zu ihrem Engagement: Communicant biete "eine einmalige Chance für Europa, sich eine starke und differenzierte Präsenz auf dem rasant wachsenden HalbleiterFoundry-Markt aufzubauen". Die Bank werde Communicant deshalb "mit aller Kraft und mit vollem Einsatz ihrer Fähigkeiten und Ressourcen unterstützen", so Edgar Most, Mitglied der Geschäftsleitung Berlin.

In der Landesregierung sieht man jetzt "bessere Chancen" für das Projekt. Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß sagte dem Tagesspiegel, er verspreche sich "eine Signalwirkung auf andere Investoren". Nach seinen Angaben war die Deutsche Bank in den vergangenen Wochen "nicht der einzige Gesprächspartner". Auch andere Bankhäuser seien an einem Einstieg interessiert gewesen. Doch habe die Deutsche Bank das beste Konzept als Investorin wie auch Verhandlungsführerin vorgelegt. Zur Höhe der Beteiligung der Deutschen Bank an dem Drei-Milliarden-Projekt wollte sich Fürniß nicht äußern. "Betteln mussten wir jedenfalls nicht, um die Banker zu überzeugen." In Bankkreisen wird von einem "zweistelligen Millionenbetrag" gesprochen.

In Regierungskreisen heißt es übereinstimmend, dass durch das Engagement der Deutschen Bank nicht nur "die Seriosität des Projektes" unterstrichen werde. Von besonderer Bedeutung sei, dass sie über einschlägige Erfahrungen verfüge, da sie auch bei der AMD-Chipfabrik in Dresden Konsistorialführerin war. Überdies kenne sich die Bank bestens im EU-Fördergeschäft aus. Die Communicant, insbesondere deren Geschäftsführer Klaus Wiemer, hätten zwar weltweit verhandelt, seien aber im Grunde mit dem Finanzierungspaket einschließlich Fördermitteln überfordert, denn parallel liefen die Vorbereitungen für die Ende des Monats geplante Grundsteinlegung der Chipfabrik auf vollen Touren. Auch hofft man, dass das Engagement der Deutschen Bank die Verhandlungen mit dem Emirat Dubai befördern kann: Es will sich mit 500 Millionen Dollar an der Chipfabrik beteiligen, wenn Communicant im Gegenzug den Bau einer Folgefabrik in Dubai mit der hochinnovativen Frankfurter Technologie garantiert. Die Verhandlungen gestalten sich dem Vernehmen nach jedoch schwierig, unter anderem, weil es in Israel und den USA Bedenken gegen den Technologie-Transfer geben soll.

Erst vor wenigen Tagen hatte Communicant-Chef Wiemer gegenüber dem Tagesspiegel erklärt, dass die Chipfabrik notfalls auch ohne Dubai gebaut werde. "Wir haben noch andere Eisen im Feuer." IHP-Direktor Abbas Ourmazd bestätigte am Freitag gegenüber dieser Zeitung, dass Communicant mit einer größeren Zahl möglicher Investoren in Verbindung stehe: "Allein in diesem Monat mit acht." Ourmazd sagte weiter, man könne durchaus "von einem weltweiten Interesse an dem Communicant-Projekt" sprechen. Deshalb habe er keine Zweifel, dass die Finanzierung der Chipfabrik in Frankfurt (Oder) wie mit dem US-Konzern Intel ausgehandelt "bis zum Jahresende stehen" werde. Fürniß selbst setzt weiter auf Dubai: Nicht nur wegen der Chipfabrik, wie er betonte, sondern weil Brandenburg Dubai durch enge Wirtschaftskooperation "als Plattform für den mittleren Osten" gewinnen wolle.

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