Der Tagesspiegel : Freibier und Fußball-Götter

Bayern München schenkt Energie Cottbus zum 40. Geburtstag ein Freundschaftsspiel, aber keinen Sieg

Sandra Dassler,Frank Noack

Cottbus - Warum das Flugzeug mit der Mannschaft des deutschen Rekordmeisters Bayern München gestern Nachmittag in Schönefeld landete und nicht wie geplant auf dem Flughafen Drewitz bei Cottbus, bleibt vorerst ein Rätsel. Angeblich hatten die Meteorologen eine ungünstige Wetterlage vorhergesehen. Dabei lachte die Sonne den ganzen Tag lang von einem makellos blauen Himmel über der Lausitz: Kaiserwetter für das Freundschaftsspiel, das die Münchner dem Zweitligisten Energie Cottbus zum 40. Gründungsjubiläum schenkten.

Es wurde ein gelungener Abend, auch wenn sich die ganz große Fußball-Euphorie nicht einstellte und nur 12 000 Zuschauer ins Stadion kamen. Zwar hielt Bayern-Manager Uli Hoeneß sein Versprechen, dass seine Mannschaft, „um dem Ostfußball zu helfen“, mit fast allen Stars im Stadion der Freundschaft auflaufen würde. Zwar freuten sich die Fans über Freibier und Feuerwerk. Aber gegen die Bayern – das war überall zu hören – würde man eben doch lieber regulär, sprich: in der 1. Bundesliga, spielen.

Bei dem derzeit siebten Tabellenplatz von Energie in der 2. Liga mag das für Außenstehende vermessen klingen. In Cottbus erinnert man sich aber ausgiebig und gern an den 14. Oktober 2000. Da gewann Energie als Tabellenletzter der 1. Liga im heimischen Stadion gegen die Bayern mit 1:0. Gestern mussten die Bayern sogar zwei Tore hinnehmen, dafür schossen sie allerdings auch fünf. Die 2:5-Niederlage verdross die Zuschauer aber keineswegs. Im Gegenteil: man rechnete es den Gästen hoch an, dass sie die Einnahmen aus dem Spiel – rund 100 000 Euro komplett den Lausitzern überließen.

Lediglich ein Teil des Geldes, das die Zuschauer für eigens angefertigte Freundschaftsschals ausgaben, wird an eine Stiftung der Münchner für die Opfer des Tsunami überwiesen. Und der in Cottbus bestens bekannt Fleischermeister Jende sponserte den Münchnern das Abendbrot. Da die Bayern unmittelbar nach dem Spiel in Richtung Schönefeld aufbrechen mussten, ließ er ihnen Kalbsschnitzel, Buletten mit Gemüse, dunkle Brötchen und Kartoffelsalat in den Mannschaftsbus bringen.

Die Gäste gaben derweil Autogramme für ihre Lausitzer Fans und revanchierten sich mit Artigkeiten. „Es hat Spaß gemacht, wieder einmal in Cottbus zu spielen“, sagte Hoeneß. Und wünschte den Cottbusern den baldigen Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga.

Überhaupt war es ein Abend der Versöhnung: So ließ sich auch der im vergangenen Jahr geschasste Manager Klaus Stabach erstmals wieder im Stadion sehen, auch Ex-Präsident Dieter Krein schlug die Einladung nicht aus. Nur Eduard Geyer fehlte – jener charismatische Trainer, der Cottbus einst in die Bundesliga geführt hatte. Dafür wurden in der Halbzeitpause die besten Energie-Fußballer der 40-jährigen Vereinsgeschichte gekürt – allen voran Detlef Irrgang, der Cottbus einst mit zwei Toren in den Profifußball schoss und ein Tor beim entscheidenden Spiel zum Aufstieg in die 1.Bundesliga erzielte. Wie dazumal feierten ihn die Fans mit nicht enden wollenden Sprechchören als „Detlef Irrgang - Fußballgott“. Da wurden Kahn, Ballack, Schweinsteiger und Co. in der Kabine fast ein wenig neidisch. So weit haben sie es in München noch nicht gebracht.

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