Friedlicher Protest in Finowfurt : Rechtsextreme stehen im Regen

Begleitet von Protesten von Anwohnern und Bürgerinitiativen hat am Samstag gegen 14 Uhr eines der größten Rechtsrockkonzerte der letzten zwanzig Jahre in Brandenburg begonnen. Bis zum späten Nachmittag blieb die Lage ruhig.

Timo Kather
Rund 1000 Demonstranten kamen zum Protestmarsch nach Finowfurt. Mit einer Sitzblockade verhinderten sie die Anreise von rund 550 Nazis.
Rund 1000 Demonstranten kamen zum Protestmarsch nach Finowfurt. Mit einer Sitzblockade verhinderten sie die Anreise von rund 550...Foto: dpa

Bereits um 9 Uhr morgens hatten sich die Gegendemonstranten in Finowfurt versammelt. Nach Angaben eines Sprechers der Initiative „Finowfurt – Nazifrei“ erschienen etwa 1000 Aktivisten, um in Richtung des Veranstaltungsortes zu ziehen. Das Rechtsrockkonzert findet auf einem Grundstück statt, das dem Rechtsextremisten Klaus Mann gehört. Das ehemalige DVU- und NPD-Mitglied ist nun Landeschef der Partei „Die Rechte“ in Brandenburg und veranstaltet seit rund sieben Jahren Konzerte für die rechte Szene aus Berlin und Brandenburg auf seinem Grundstück. Deshalb gibt es seitens der Gegendemonstranten die Befürchtung, dass Mann mit dem Konzert nun einen bundesweiten Anlaufpunkt für Neonazis etablieren will. Neben „Finowfurt – Nazifrei“ hatte deshalb auch das Aktionsbündnis „Bunte Schorfheide“ für die Gegendemonstration mobilisiert. Nach der Auftaktkundgebung zogen die Demonstranten gegen 10.30 Uhr mit einem Lautsprecherwagen zur Autobahn A11, um die Anreise der Neonazis zu erschweren.

Und die kamen reichlich – wenn auch nicht so reichlich, wie vorab befürchtet. Die Behörden des Landkreises Barnim hatten die Anzahl der möglichen Konzertbesucher schon im Vorfeld auf 1000 begrenzt, nur unter dieser Auflage war die Genehmigung für das Konzert erteilt worden. Nach ersten Schätzungen wird diese Zahl wohl nicht ganz erreicht werden. Gegen Mittag sprach die Polizei von rund 300 angereisten Neonazis, die teils bis aus Hessen angereist kamen. Durch den Veranstalter Klaus Mann waren 500 Konzertbesucher angemeldet worden. „Es reisen aber immer noch Leute an“, sagte Peter Salender, Sprecher der brandenburgischen Polizeidirektion Ost, am Nachmittag. Am späten Nachmittag waren nach Tagesspiegel-Informationen geschätzte 550 Rechtsextreme als Besucher auf dem Konzert. Mehrere Hundertschaften der Polizei waren in Finowfurt, einem Ortsteil der Gemeinde Schorfheide, im Einsatz.

Empfangen wurden die Nazis einerseits von Gegendemonstranten, die kurz hinter der Autobahnabfahrt die Zubringerstraße in den Ort versperrten, andererseits von der Polizei, die die Autobahnabfahrt zeitweise für den Verkehr sperrte und die anreisenden Rechten umleitete. Eine zweite Gruppe von Demonstranten, etwa 60 Personen, bildete eine Sitzblockade an der Finowfurter Kastanienallee, um auch den zweiten Zufahrtsweg zum Veranstaltungsgelände zu versperren. Sie hielten etwa vierzig Autos auf und lieferten sich verbale Auseinandersetzungen mit den Rechten. Später taten sich beide Demonstrantengruppen zusammen.

Nach Angaben der Initiative „Finowfurt – Nazifrei“ sperrten die Demonstranten bis etwa 15 Uhr die Zubringerstraße vor der Autobahnabfahrt in Richtung Prenzlau. „Finowfurt war für die Nazis dicht“, so ein Sprecher der Initiative, „manche mussten fünfzig Kilometer Umweg fahren, um zum Konzert zu gelangen“.

Entsprechend begann auch das Konzert mit einiger Verspätung. Eigentlich hatte es um 12 Uhr beginnen sollen, tatsächlich startete es kurz nach 14 Uhr. Die Neonazis, die es auf das Gelände schafften, mussten das launische Regenwetter ertragen – denn das Konzert fand unter freiem Himmel statt. Eigentlich sollte das Konzert in einer Halle auf dem Gelände stattfinden. Diese war aber zuvor von den Behörden wegen baulicher Mängel gesperrt worden. Eine bereits aufgestellte Konzertbühne musste wieder abgerissen werden.

Im Ort Finowfurt selbst war am Nachmittag kaum etwas von dem Konzert zu hören – das Grundstück von Klaus Mann liegt etwas außerhalb in einem Waldstück, jenseits der Autobahn A11. „Da schallt nichts durch Finowfurt“, erklärte Polizeisprecher Salender, „das läuft alles noch in erträglichem Ausmaß“. Der Verkehrslärm von der Autobahn übertönte die musikalische Lärmbelästigung. Selten werden die Bewohner von Finowfurt so dankbar für die nahe Autobahn gewesen sein wie an diesem Samstag. Das Konzert soll nach Auflage des Ordnungsamtes der Gemeinde Schorfheide um 22 Uhr enden.

Erklärtes Ziel der Organisatoren der Proteste war es, das Rechtsrockkonzert zu verhindern. Das ist nicht ganz gelungen, aber dennoch verbuchte „Finowfurt – Nazifrei“ die Aktion als „vollen Erfolg“, die Erwartungen seien deutlich übertroffen worden. Viele Finowfurter, die sich bislang nicht gegen Rechts engagiert hätten, hätten sich erstmals öffentlich positioniert. Die Anreise der Neonazis sei immerhin um einige Stunden verlängert worden, so ein Sprecher, dies sei als enormer Fortschritt zu bewerten: „In den letzten Jahren war ja kein organisierter Widerstand vorhanden“.

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