Der Tagesspiegel : Für 22 Mark: Krawatte in den Landesfarben

THORSTEN METZNER

FÜRSTENWALDE . Für den echten Fan der Mark hat das "Haus Brandenburg", das am Sonntag in Fürstenwalde eröffnet wurde, alles parat: eine Krawatte in den Landesfarben (22 Mark), eine Parkscheibe mit Adler-Wappen (80 Pfennige) und natürlich die obligatorische Brandenburg-Standarte für den Schrebergarten, die zum Schnäppchen-Preis von 15 Mark für jedermann zu haben ist. Nun ja, nicht ganz für jedermann, zumindest an diesem Tag nicht. Mancher brandenburgische Gast ist nämlich zur Einweihung des "Hauses Brandenburg", das strenggenommen ein Fertighaus aus Niedersachsen ist, von vornherein nicht willkommen. PDS-Chef Lothar Bisky zum Beispiel gehört zu dieser Kategorie oder jeder Politiker von den Bündnisgrünen. Das Gesicht eines der Funktionäre der "Landsmannschaft Berlin/Mark Brandenburg", deren Geschäftsstelle aus Stuttgart nun in die ostbrandenburgische Stadt umgezogen ist, spricht Bände: "Natürlich sind PDS und Grüne nicht eingeladen. Die müssen erst mal umdenken!"Trotzdem kann sich die Vertriebenenorganisation der Märker bei der Einweihung ihres neuen Kulturzentrums, das ohne Revanchismusparolen und zusammen mit polnischen Partnern an die Geschichte und Kultur der heute zu Polen gehörenden früheren ostbrandenburgischen Gebiete erinnern soll, über Mangel an verständnisvoller Prominenz nicht beklagen.Die Eröffnung wird sogar fast ein offizieller Staatsakt: Immerhin sind neben polnischen Gästen nicht nur der Landrat des Kreises Oder-Spree, Burkhard Schröder, sowie der Vize-Bürgermeister von Fürstenwalde, Ulrich Hengst, anwesend. Angereist sind Ministerpräsident Manfred Stolpe und sein christdemokratischer Herausforderer Jörg Schönbohm. Getrennt, versteht sich. Doch ist dies einer der wenigen Termine vor der Landtagswahl am 5. September, bei dem beide zusammentreffen. Stolpe zögert bekanntlich noch, ober er sich einem Fernsehduell mit Schönbohm stellt.Für den Ministerpräsidenten ist der Fürstenwalder Auftritt trotz Schönbohms Präsenz ein Heimspiel: Schon als er die Heimkehr der Landsmannschaft nach Brandenburg mit der Rückkehr der Hohenzollernkönige vor einigen Jahren nach Potsdam vergleicht, treibt es einigen Zuhörern Tränen der Rührung in die Augen. Stolpe verspricht gleich noch, einen Sponsor für den kahlen Giebel über dem Eingang des "Hauses Brandenburg" zu besorgen - natürlich "für einen Adler".Wenn demnächst 300 Jahre Preußen gefeiert würden, sagt der Ministerpräsident in einem Radiointerview, "werden wir erklären müssen, warum sich Brandenburg aus taktischen Gründen zeitweise diesen Namen zulegte". Das neue Fürstenwalder Kulturzentrum ermuntert Stolpe ausdrücklich, sich stärker mit der Preußen-Geschichte zu beschäftigen, und zwar auch, so sein ironischer Wink, mit den "verlorenen Westgebieten" Brandenburgs in der Altmark. Das ist heute Sachsen-Anhalt.Als Stolpe gestern nach Fürstenwalde kommt, es ist noch Zeit und seine Lust an einem Treffen mit Schönbohm gering, läßt er sich lieber durch die Bibliothek und das kleine Museum führen, das vor allem an den Vater der heimlichen Landeshymne, Gustav Büchsenschütz, erinnert. Bitter beklagen die dortigen Tafeln der Ausstellung - die unter Schirmherrschaft Stolpes steht -, daß sich 1992 im Landtag trotz des einstimmigen SPD-Votums keine Mehrheit für das "Steige hoch, du Roter Adler" als offizielle Nationalhymne Brandenburgs fand. Wenn es nach Stolpe ginge, wäre sie es natürlich. Stolpe begrüßt natürlich Irmgard Büchsenschütz, die Witwe des Komponisten, besonders herzlich.Und Schönbohm? Auch der CDU-Spitzenkandidat macht Punkte, als er abweichend von der Rednerliste doch noch kurz sprechen darf. Schönbohm verkneift sich allerdings jede Wahlkampfrhetorik und erzählt, daß seine ihn an diesem Tag begleitende Frau aus Fürstenwalde stammt, er selbst aus dem unweit gelegenen Bad Saarow. Dann bietet der Streiter für eine Große Koalition in Brandenburg Stolpe demonstrativ an, gemeinsam Sponsoren für deutsch-polnische Jugendbegegnungen im "Haus Brandenburg" zu suchen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar