Der Tagesspiegel : Fürstenwalder Stadtwald: "So sieht gesunder Wald aus"

Claus-Dieter Steyer

Förster Thomas Weber greift mit beiden Händen in den Fünf-Zentner-Sack voller Eicheln. "Daraus werden prächtige Exemplare. Wunderbar", sagt er auf der Terrasse des Forsthauses Berkenbrück bei Fürstenwalde und zeigt lächelnd auf andere gefüllte Behältnisse. In den nächsten Tagen beginne die Aussaat. Entweder werden mit dem Spaten kleine Löcher in den Boden gedreht, oder ein Pferdegespann zieht die Furchen. Vier Eicheln kommen jeweils zusammen in eine mit einer dünnen Erdschicht bedeckte Vertiefung. Wenige Meter vom Forsthaus entfernt, strahlt der Fachmann erneut. Mehrere prächtig gewachsene und um die 80 Jahre alte Eichelbäume stehen im Karree neben Kiefern, Ahorn und Birken. "So sieht gesunder Wald aus", sagt Thomas Weber. Die Verleihung des weltweit höchsten Öko-Siegels für den Fürstenwalder Stadtwald sei deshalb nicht völlig überraschend gekommen.

Neben dem 60 Kilometer östlich Berlins gelegenen 4660 Hektar großen Gebiet sind aus Brandenburg seit vergangener Woche auch das Waldgut Sauen der Stiftung August Bier bei Beeskow und ein Privatwald bei Rathenow auf der Landkarte mit den Zertifikaten des Forest Stewardship Council (FSC) verzeichnet. Weltweit tragen 18 Millionen Hektar das FSC-Gütesiegel, das der Kunde im Baumarkt, in Möbelhäusern, in Holzhandlungen oder in einigen Versandhauskatalogen im Holzsortiment wiederfindet. Es steht für eine "wirtschaftlich tragfähige, umweltgerechte und sozial verantwortliche Holzerzeugung", wie es in der Ausschreibung heißt. Das bedeutet den Verzicht auf Chemie und Kahlschlag sowie Förderung der natürlichen Verjüngung des Waldes. Zur Jury gehören in Deutschland alle namhaften Umwelt- und Naturverbände, die Gewerkschaften, Industrie und Handel.

Da die Überprüfung der Wälder jährlich wiederholt werden muss, beeilt sich der Fürstenwalder Förster mit der Aussaat der Eicheln. Auf 86 Prozent der Fläche herrscht jetzt noch die Kiefer vor, was etwa dem Brandenburger Durchschnitt entspricht. Um einen wertvollen und artenreichen Wald zu erreichen, sollen Birke, Eberesche, Stiel- und Traubeneiche die Kiefernbestände ergänzen. "Wir versprechen uns vom Zertifikat bessere Verkaufschancen für unser Holz", sagt Bürgermeister Manfred Reim. Außerdem wolle die Stadt einen gesunden Wald für ihre Einwohner. In Ostdeutschland ist Fürstenwalde nach Rostock der zweitgrößte kommunale Waldbesitzer.

Der wirtschaftliche Aspekt des Öko-Siegels steht auch für den privaten Waldeigentümer Michael Duhr im Vordergrund. "Immer mehr Brandenburger Firmen nehmen nur noch Holz aus Wäldern mit einem Zertifikat", sagt der Mann aus Garlitz. Da sie im eigenen Bundesland aber bislang keine derartigen Produzenten fanden, seien sie auf Polen und Schleswig-Holstein ausgewichen.

Das jetzt an die drei Betriebe verliehene FSC-Siegel stößt allerdings nicht überall auf Zustimmung. So lehnen es sowohl der Waldbesitzerverband als auch Teile der Landesforstverwaltung ab. "Da gibt es viel Unkenntnis", erklärt Hermann Graf Hatzfeldt, Chef des Vergabegremiums und selbst Waldbesitzer. Irrtümlicherweise werde von zu hohen Kosten für so ein Zertifikat gesprochen.

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