Der Tagesspiegel : Gedenkstätte hinter verschlossener Tür

Seit fünf Jahren wird Schloss Freienwalde saniert. Einst gehörte es Außenminister Walther Rathenau

Matthias Matern

Bad Freienwalde - Reinhard Schmook sieht endlich Fortschritte. „Demnächst wird sich das Schloss zumindest von außen wieder in alter Schönheit zeigen“, sagt der Chef der Kultur GmbH Märkisch-Oderland zuversichtlich. „Dann beginnen wir sofort mit der Renovierung der Innenräume.“ Seit 2001 bemüht sich die kreiseigene Gesellschaft um die Restaurierung des Schlosses von Bad Freienwalde. Der klassizistische Bau ist eine der touristischen Attraktionen im Ort und die einzige Gedenkstätte für Walther Rathenau in Deutschland. Doch mit Beginn der Arbeiten an der Schlossfassade vor fünf Jahren wurde auch der Ort des Erinnerns geschlossen. „Nur für ein paar Wochen, dachten wir damals“, erinnert sich Schmook .

Aber im kommenden Mai will er die Gedenkstätte nach der langen Zwangspause endlich wieder öffnen. Rund 100 000 Euro, so schätzt er, werden benötigt, um die oberste Etage des Gebäudes so weit herzurichten. „Die Kosten übernimmt der Landkreis“, sagt Schmook. Sollte der Termin eingehalten werden, kann sich er sich zumindest über einen weiteren Etappensieg freuen. Bis zum endgültigen Ziel allerdings ist es noch ein langer Weg: Irgendwann sollen das Schloss und auch der dazugehörende Park wieder aussehen wie zu Rathenaus Zeiten.

Rund 13 Jahre lang verbrachte der ehemalige deutsche Außenminister, Industrielle und Zeitkritiker die heißen Sommermonate in der Brandenburger Kurstadt. 1909 hatte Rathenau das im Landhausstil erbaute Schloss Freienwalde. von den Hohenzollern erworben. Bis zu seiner Ermordung 1922 traf er sich dort mit Freunden wie Gerhart Hauptmann oder Fritz von Unruh. Auch zwei seiner Hauptwerke, „Zur Kritik der Zeit“ und „Von der Mechanik des Geistes“, entstanden in der Sommerresidenz. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 allerdings verschwand der Name Rathenau aus der Stadtgeschichte. Der deutsche Patriot jüdischer Abstammung wurde zur Unperson. Erst nach der Wende besann man sich auf seinen Nachlass.

Rund 1,5 Millionen Euro hat bislang allein die Außensanierung des Schlosses gekostet. Beteiligt haben sich der Bund, das Land Brandenburg und der Kreis Märkisch-Oderland. „Wir haben bei den Bauarbeiten immer neue Schäden entdeckt“, erklärt Reinhard Schmook die langwierige Sanierung. Das ganze Haus sei von Schwamm befallen gewesen. Schmooks nächstes Projekt ist das Teehäuschen im Schlosspark. Um dafür Sponsoren zu gewinnen, hat er gerade einen Förderverein gegründet. „Anschließend wird das Schlossinnere nach historischem Vorbild restauriert“, sagt Schmook.

Detlef Malchow ist da skeptisch. Auch er hat sich dem Erbe Rathenaus verschrieben. Dem 54-jährigen Geschäftsmann aus Bad Freienwalde fehlt ein „klares Konzept“ hinter den Bemühungen des Landkreises. Wie solle die Rathenau-Gedenkstätte künftig mal aussehen, welche Veranstaltungen seien geplant, wie sollen die weiteren Arbeiten finanziert werden? „Noch nicht einmal Förderanträge für die Restaurierung der Innenräume wurden gestellt“, kritisiert er. Dass alles so lange dauert, könne er nicht verstehen. Mit einem privat organisierten Workshop zu Walther Rathenau in Bad Freienwalde hat Malchow jüngst versucht, etwas mehr Fahrt in die Sache zu bringen. 25 Teilnehmer hat Malchow gezählt. Sogar aus Hamburg sei ein Gast angereist. Auch Landrat Gernot Schmidt (SPD) kam.

Prinzipiell freue er sich natürlich über Malchows Engagement, versichert Reinhard Schmook. „Herr Malchow ist ein angesehener Geschäftsmann mit guten Verbindungen. Doch er muss uns ja nicht immer auf die Zehen treten. Ungeduld hilft nicht weiter.“

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