Der Tagesspiegel : Genossenschaft baut im ungeliebten Osten

CLAUS-DIETER STEYER

Die Anbindung und das Image sind entscheidend für die Immobilienpreise im Speckgürtel um BerlinVON CLAUS-DIETER STEYER BLUMBERG.Den Abwanderungswillen vieler Großstädter ins Umland macht sich jetzt erstmalig eine Berliner Wohnungsgenossenschaft zunutze.Die gemeinnützige Gesellschaft "Marzahner Tor" errichtet in Blumberg am nordöstlichen Berliner Stadtrand zusammen mit einem Bauunternehmen aus Frankfurt (Oder) einen Wohnpark mit 134 Wohnungen.62 davon sollen ab Sommer vermietet werden.Voraussetzung für die Interessenten ist eine Mitgliedschaft in der Marzahner Genossenschaft.Im anderen Teil des Parks entstehen 72 Eigentumswohnungen einer Bauträgergesellschaft. Die Suche nach Mietern für die Wohnungen in den mehrgeschossigen "Stadtvillen" ist offenbar nicht schwierig."Die Mehrzahl ist bereits vermietet", sagte Pressespecher Helmut Rieken.Seine Wohnungsgenossenschaft zählt 6200 Mitglieder und rund 5400 Wohnungen in Marzahn.Ein Pluspunkt für Blumberg ist zweifellos die gute Verkehrsanbindung.Der Regionalbahnhof liegt nur wenige Minuten entfernt.Autofahrer benötigen keine Viertelstunde bis nach Marzahn.Gerade die Nähe zum alten Wohngebiet ist für die Wahl des Umzugsortes oft entscheidend.Das stellen Makler seit Jahren fest und erklären so die ungleiche Verteilung der 250 Wohnparks rund um Berlin.Die meisten befinden sich westlich und südwestlich der Großstadt, wo die Nachfrage stärker als im östlichen Speckgürtel ist.Unter den Neu-Brandenburgern befinden sich weitaus mehr frühere West- als Ost-Berliner. Dementsprechend verschieden sind auch die Preise.Während der Obere Gutachterausschuß Brandenburg den durchschnittlichen Preis für ein Ein- und Zweifamilienhaus östlich Berlin auf 365 000 Mark beziffert, sind es in der westlichen Region 10 000 Mark mehr.Bei Eigentumswohnungen sind die Differenzen noch größer.Zwischen 2700 Mark pro Quadratmeter Wohnfläche in Neuenhagen im Osten und 4000 Mark in Falkensee im Westen schwanken die Preise.Hier wirkt sich das schwer erklärbare schlechtere Image des Nordens und Ostens aus.An der landschaftlichen Umgebung kann es nicht liegen, hier hat der Osten ebenso seine Reize wie der Westen. Oftmals lassen sich Interessenten auch vom ersten Eindruck blenden.Im Vordergrund steht das Haus oder die neue Wohnung, während die Infrastruktur des neuen Heimatortes zu wenig Beachtung findet.So muß sich beispielsweise der Bürgermeister von Dallgow am westlichen Stadtrand derzeit viele Beschwerden von neuen Einwohner anhören.Kitas und Schulen seien überfüllt, die Straßen in einem miserablen Zustand und Gaststätten mangelhaft. Mit dem neuen Wohnpark in Blumberg kann dagegen eine Lanze für den Nordosten gebrochen werden.Der Ort entwickelt sich nicht zuletzt durch die Einnahmen vom nahen Gewerbegebiet.Der Lenne-Park zeigt sich langsam wieder in seiner Schönheit.Für das in DDR-Zeiten verschandelte Schloß gibt es endlich einen Plan.Außerdem wird das Wohnviertel kein abgeschottetes Berliner Quartier.Die Wohnungs-Interessenten kommen auch aus Blumberg.

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