Der Tagesspiegel : Gesamtschule wird geschlossen trotz Schülerstreiks

Claus-Dieter Steyer

Pritzwalk - Auch ein zweitägiger Streik der 600 Schüler der Gesamtschule in Pritzwalk hat nichts genützt. Der Kreistag des Landkreises Prignitz beschloss am Donnerstagabend das faktische Aus für diese Schule mit gymnasialer Oberstufe. Ab dem kommenden Schuljahr dürfen sich hier keine Kinder mehr anmelden. Zuvor hatten Schüler und eine von den Eltern gegründete Bürgerinitiative mehr als 6000 Unterschriften gegen die Schulschließung gesammelt. Nach dem Votum des Kreistages nahmen die Schüler gestern den Unterricht wieder auf.

„Der Streik ist jedoch nur ausgesetzt“, sagten Schülersprecher. Der Kampf um die Schule werde fortgesetzt. Anwälte sollen im Auftrag der Bürgerinitiative prüfen, ob gegen den Kreistagsbeschluss geklagt werden kann. Hintergrund des Streits ist der dramatische Geburtenrückgang und die hohe Abwanderung von Menschen aus der Prignitz. Im Vergleich zum Wendejahr 1989 liegt die Zahl der Schüler in diesem Landkreis im Nordwesten Brandenburgs heute um die Hälfte niedriger. Allein seit 2001 sank die gesamte Einwohnerzahl um 5000 auf heute 89000 Menschen. Zahlreiche Schulen mussten bereits geschlossen werden. Der Kreistag will nun die drei noch bestehenden Gymnasien in Perleberg, Pritzwalk und Wittenberge und die Ganztagsschule in Pritzwalk sichern.

Allerdings beharren die Schüler der jetzt vor der schrittweisen Schließung stehenden Pritzwalker Gesamtschule auf den Vorzügen ihres Schultyps: Während sich Gymnasiasten nach der 6. Klasse für den Weg zum Abitur entscheiden müssen, ist das an einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe noch in der 9. oder 10. Klasse möglich, während andere Schüler nur in Ausnahmefällen nach der 10. Klasse noch auf ein Gymnasium wechseln. „Den Eltern wird in Pritzwalk nun die im Brandenburger Schulgesetz garantierte Wahlmöglichkeit einer bestimmten Schule genommen“, sagte eine Vertreterin der Bürgerinitiative. „Deshalb wollen wir alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen.“ Außerdem sei der Landesrechnungshof wegen Verschwendung von Fördermitteln verständigt worden: Zwei Tage vor dem Kreistagsbeschluss wurde an der Gesamtschule ein neuer Sportplatz übergeben. Er kostete zusammen mit der Renovierung der Turnhalle rund 500000 Euro. Die Entscheidung dafür fiel jedoch schon vor mehreren Jahren. Schon damals gehörte die Schule zu den beliebtesten im Kreis.

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