Gewässerstreit : Tagebauseen bleiben öffentlich

Land übernimmt Gewässer und Ufer. Streit um Zugänge soll vermieden und Tourismus gefördert werden.

Claus-Dieter Steyer
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Senftenberg - Die sich langsam füllenden Lausitzer Tagebauseen sollen künftig überall öffentlich zugänglich sein. Deshalb wird sich das Land Brandenburg die Hoheitsrechte an den Gewässern und den Uferbereichen sichern. Konkret geht es nach einem Beschluss der Landesregierung um eine Gesamtfläche von 3300 Hektar. Die Dimensionen veranschaulicht ein Vergleich mit dem Großen Wannsee. Dieser würde mit seinen 260 Hektar fast 13 Mal in die mit Grundwasser sowie mit Wasser aus der Spree und der Schwarzen Elster bis 2018 gefüllten Tagebaugruben passen. Mit dem frühzeitigen Erwerb will die Landesregierung von vornherein Streitigkeiten wie am Griebnitzsee oder am Groß Glienicker See vermeiden, wo Privateigentümer den Uferweg kurzerhand sperrten. Über die Höhe des Kaufpreises und den Zeitpunkt des Eigentümerwechsels wurde noch nichts bekannt.

„Wir sind über die Einigung sehr froh“, sagte Uwe Steinhuber, Pressesprecher der bundeseigenen Lausitzer Bergbau- und Verwaltungsgesellschaft (LMBV). „So entsteht wenigstens kein Flickenteppich aus privatisierten und staatlichen Flächen.“ Auch mit dem benachbarten Sachsen, auf das etwa die Hälfte der etwa 20 großen Seen entfällt, sei so eine Vereinbarung schon getroffen worden. Ursprünglich sollten die Seen den angrenzenden Kommunen angeboten werden, die aber kein Geld haben.

Brandenburgs Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) sprach davon, dass nun die „Investitionsklemme“ gelöst sei. „Ich erwarte einen Schub für die Region.“ Es gebe ein großes touristisches Potenzial. Doch die Katastrophe am Tagebausee von Nachterstedt in Sachsen-Anhalt, bei dem Mitte Juli drei Menschen zusammen mit ihren Häusern in die Tiefe gerissen wurden, hat die Euphorie bei Wassersportanbietern, Marina-Betreibern und Maklern auch in der Lausitz etwas gedämpft. „Alle Uferbereiche werden erst dann dem Land übergeben, wenn die Kippen nicht mehr abrutschen können“, versichert LMBV-Pressesprecher Steinhuber. „So lange bleiben sie in unserer Verantwortung.“ Falls es tatsächlich nachträglich zu einem Abrutschen von Uferbereichen kommt, würde das Gelände als Altbergbau betrachtet und nach dem Berggesetz mit Mitteln des Bundes saniert.

Auch die größtmögliche Neutralisierung des sauren Wassers in den Seen bleibe Sache der LMBV. Der hohe Schwefelgehalt der Braunkohle und der sie umgebenden Erdschichten führt zu einer schlechten Wasserqualität, die kein Leben zulässt. Von zahlreichen Forschungsprojekten brachte bisher der Einsatz von Mikroorganismen die größten Erfolge bei der „Gesundung“ des Wassers.

Auch in dem schon vor 36 Jahren aus einer großen Tagebaugrube entstandenen Senftenberger See steigt noch saures Wasser nach oben. Allerdings verdünnt die direkt durch den See fließende Schwarze Elster die eisenhaltige Brühe so stark, dass in den obersten Schichten beste Qualität erreicht wird. Seit Jahren weht am Ufer sogar die blaue EU-Flagge für besonders reines Wasser. Den Badefreuden der jährlich 40 000 Besucher steht somit nichts im Wege. Nicht an jedem neuen See wird man diesen großen Aufwand treiben können. „Einige können auch Naturreservat bleiben“, sagt LMBV-Sprecher Steinhuber.

Diese können sich in Kürze genau wie private Interessenten beim Land um Wassergrundstücke bewerben. Keine Probleme mit dem öffentlichen Zugang gibt es natürlich bei den schwimmenden Häusern, die jetzt an mehreren Seen geplant sind. Die Konstruktion verbindet lediglich ein Steg mit dem Land, der jederzeit abgesperrt werden kann. Spaziergänger können dann trotzdem ungehindert den Uferweg benutzen und dabei wohl etwas neidisch auf die besonderen Ein- und Ausblicke der Bewohner richten.

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